ZahnLexikon
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Propädeutik
geprüft
Hygiene und Ergonomie in der Praxis

Hygienekette und Instrumentenaufbereitung

Synonyme: Instrumentendesinfektion · RKI-Richtlinie Hygiene · Sterilgutaufbereitung

Definition

Die Hygienekette beschreibt den lückenlosen, validierten Prozess der Reinigung, Desinfektion, Pflege, Verpackung und Sterilisation von Medizinprodukten in der Zahnarztpraxis. Grundlagendokument in Deutschland ist die gemeinsame Empfehlung von RKI und BfArM. Medizinprodukte werden je nach Anwendungsrisiko in Unkritisch, Semikritisch (A/B) und Kritisch (A/B) eingestuft. Die Aufbereitung zielt auf die vollständige Inaktivierung von Krankheitserregern zur Verhinderung von Kreuzinfektionen ab.

Prüfungsfokus
  • Unkritische Medizinprodukte berühren nur intakte Haut (z. B. Blutdruckmanschette).
  • Semikritische Medizinprodukte berühren Intaktschleimhaut (z. B. Mundspiegel = Semikritisch A; Übertragungsinstrumente ohne Blutkontakt = Semikritisch B).
  • Kritische Medizinprodukte durchtrennen Haut/Schleimhaut oder berühren Blut (z. B. Parodontalnadel = Kritisch A; Übertragungsinstrumente bei Chirurgie = Kritisch B).
  • Maschinelle Aufbereitung im Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) ist der manuellen Aufbereitung vorzuziehen.
  • Dampfsterilisation im Klasse-B-Autoklav erfolgt standardmäßig bei 134 °C für mindestens 5 Minuten Halteseit.
Zahlen & Werte
Standard-Sterilisationstemperatur Autoklav
134 °C
Mindesthaltezeit bei 134 °C
5 min (oder 3 min bei reinem Wasserdampf)
Sterilisationstemperatur Schonprogramm
121 °C (für 20 min)
Klinische Relevanz

Jedes benutzte Instrument muss lückenlos nachvollziehbar aufbereitet und freigegeben werden. Übertragungsinstrumente (Winkelstücke) erfordern aufgrund interner Hohlräume besondere maschinelle Reinigungs- und Ölungsprozesse.

Abgrenzung
  • Semikritisch B vs. Kritisch B

    Semikritisch B hat Schleimhautkontakt mit erhöhten Aufbereitungsanforderungen; Kritisch B durchtrennt Gewebe/Blut und weist komplexe Hohlräume auf.

  • Desinfektion vs. Sterilisation

    Desinfektion reduziert Keimzahl um mind. 10^5 Stufen (pathogene Keime inaktiviert); Sterilisation bewirkt mehere Stufen höhere Keimfreiheit inklusive sporenfreier Deaktivierung.

Typische Fallstricke
  • Verwechslung Semikritisch B und Kritisch B: Instrumente mit komplexen Hohlräumen, die Gewebe durchtrennen, sind zwingend Kritisch B.
  • Fehlende Chargenfreigabe entbindet nicht von der rechtlichen Dokumentationspflicht.
Merksatz

Unkritisch berührt Haut, Semikritisch Schleimhaut, Kritisch durchbricht Blut.

Bilder & Videos

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Zusammenhänge
Teil von: Hygiene und Ergonomie in der Praxis

Instrumentenaufbereitung und Arbeiten am Behandlungsstuhl.