Provisorium
Synonyme: Provisorischer Zahnersatz · Interimstersatz · Provi
Ein Provisorium ist ein temporärer Zahnersatz, der für die Übergangszeit zwischen der Zahnpräparation und dem Eingliedern der definitiven Restauration eingesetzt wird. Es dient dem Schutz der Pulpa, der Wiederherstellung von Ästhetik und Funktion sowie der Stabilisierung der Zahnposition.
- Provisorien schützen das freiliegende Dentin vor thermischen, chemischen sowie bakteriellen Reizen und beugen einer Pulpitis vor.
- Sie sichern durch Approximalkontakte die Zahnposition im Bogen und verhindern die Elongation des Antagonisten sowie Kippungen Nachbarzähne.
- Direkt hergestellte Polymethacrylat-Provisorien zeigen eine exotherme Reaktion, die ohne kontinuierliche Wasserkühlung Pulpaschäden verursachen kann.
- Die Befestigung erfolgt zwingend mit temporären Zementen, um eine beschädigungsfreie Abnahme bei der Eingliederung der definitiven Restauration zu gewährleisten.
- Eine unzureichende Ausarbeitung im marginalen Bereich führt zu Plaqueakkumulation, Gingivitis und Wucherungen über die Präparationsgrenze.
- Kritische Temperatur für thermische Pulpaschädigung
- 42,5 °C
- Exotherme Spitzentemperatur bei PMMA-Polymerisation
- bis zu 60 °C
- Empfohlene Mindestwandstärke für Kunststoffprovisorien
- 1,0–1,5 mm
- Maximale Tragedauer eines Standard-Kurzzeitprovisoriums
- 4 Wochen
Das Provisorium wird unmittelbar nach der Präparation zumeist direkt am Patientensitz aus Selbsthärtendem Kunststoff hergestellt. Neben dem Schutz vor thermischen und chemischen Reizen verhindert es die Elongation oder Kippung der präparierten Zähne bis zum Einsetzen des definitiven Zahnersatzes.
- Langzeitprovisorium
Wird für mehrere Monate bis Jahre (oft laborgefertigt und metall- oder glasfaserverstärkt) zur Ausheilung des Parodontiums oder bei komplexen Bisanhebungen eingesetzt, während Kurzzeitprovisorien nur die Dentinwunde bis zur Laborfertigung abdecken.
- Therapeutisches Provisorium
Dient gezielt der Austestung einer neuen vertikalen Dimension, Ästhetik oder Kiefergelenksposition, wohingegen ein Standardprovisorium primär dem Schutz und der Positionssicherung dient.
- Verwendung von eugenolhaltigem temporären Zement vor einer geplanten adhäsiven Befestigung, da eugenolhaltige Reste die Radikalpolymerisation von Komposit-Befestigungssystemen hemmen.
- Belassen des Provisoriums im Mund während des exothermen Abbindeprozesses von PMMA-Kunststoffen ohne Kühlung, was zu thermisch bedingter Pulpanekrose führt.
- Überstehende Provisorienränder, die das parodontale Gewebe quetschen und eine lokale Parodontitis oder Gingivarezession induzieren.
Das Provisorium schützt den Zahn, bis der finale Ersatz begann.
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- VoraussetzungPräparationsgrenze
Die Präparationsgrenze muss durch das Provisorium exakt abgedichtet werden, um Randspaltverfärbungen, Sekundärkaries und Gingivawucherungen zu vermeiden.
- VoraussetzungKronenpräparation
Die Kronenpräparation legt durch den Abtrag von Zahnhartsubstanz Dentintubuli frei, was den sofortigen Wundverschluss durch ein Provisorium erforderlich macht.
- FolgePulpitis
Ein Verlust oder eine Fraktur des Provisoriums kann durch die kontinuierliche Exposition offener Dentintubuli zu einer irreversiblen Pulpitis führen.
- TherapieBefestigungszement
Für Provisorien kommen schwach haftende Befestigungszemente zum Einsatz, die eine spaltfreie Retention garantieren und dennoch leicht entfernbar sind.