ZahnLexikon
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Chirurgie – Spezialfälle
geprüft
Odontogene Infektionen und Osteonekrose

Dentogene Abszesse und Logen

Synonyme: Kieferabszess · Logenabszess · Parodontaler Abszess

Definition

Dentogene Abszesse sind umschriebene Eiteransammlungen im Kiefer-Gesichts-Bereich, die primär von infizierten Zähnen oder dem Zahnhalteapparat ausgehen. Sie breiten sich entlang von Faszienstrukturen in anatomische Spalträume (Logen) wie den Submandibular-, Sublingual- oder Pterygomandibularraum aus. Ohne rechtzeitige Inzision und Antibiose drohen lebensbedrohliche Komplikationen wie Mediastinitis oder Sinus-cavernosus-Thrombose.

Prüfungsfokus
  • Klassische Trias: Schwellung, Rötung, Dolor (oft begleitet von Foetor und Trismus).
  • Spatium pterygomandibulare: Trismus als Leitsymptom durch Entzündung des M. pterygoideus medialis.
  • Ludwig-Angina ist eine beidseitige Phlegmone der Submandibular-, Sublingual- und Submentalräume mit Erstickungsgefahr.
  • Oberkieferabszesse im Canine-Bereich können über die Vena angularis eine Sinus-cavernosus-Thrombose auslösen.
Zahlen & Werte
Mikrobiologie
Über 80% Mischinfektionen (Anaerobier und Aerobier)
Kritische Mundöffnung
< 20 mm bei Trismus
Klinische Relevanz

Die operative Entlastung (Inzision und Drainage) sowie die Sanierung der Ursache bilden das Fundament der Therapie. Bei Ausbreitung in tiefere Logen oder systemischer Infektionszeichen ist eine stationäre Aufnahme erforderlich.

Abgrenzung
  • Phlegmone

    Diffuse, ungekapselte, sich flächenhaft ausbreitende eitrige Entzündung ohne Fluktuation.

  • Osteomyelitis

    Entzündung des Knochenmarks und der Kortikalis, radiologisch erst nach 10–14 Tagen sichtbar.

Typische Fallstricke
  • Abszess mit Phlegmone verwechseln (Phlegmone ist diffus, unscharf begrenzt und nicht fluktuierend).
  • Blindes Verabreichen von Antibiotika ohne chirurgische Abszessinzision.
Merksatz

Ubi pus, ibi evacua – erst entlasten, dann ursächlich behandeln!

Bilder & Videos

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Zusammenhänge
Teil von: Odontogene Infektionen und Osteonekrose

Logenabszesse und medikamentenassoziierte Kiefernekrose.