Fluoridierung
Synonyme: Fluoridtherapie
Die Fluoridierung bezeichnet die gezielte Zufuhr von Fluoriden zur Kariesprävention und Remineralisation von Schmelz und Dentin. Fluoride hemmen die Demineralisation, fördern den Einbau von Kalzium und Phosphat in Form von Fluorapatit und hemmen den Bakterienstoffwechsel im Plaquebiofilm. Sie stellt eine der wirksamsten evidenzbasierten Maßnahmen in der präventiven Zahnheilkunde dar.
- Der präventive Hauptwirkungsmechanismus von Fluoriden beruht auf der lokalen (topischen) Applikation an der Zahnoberfläche.
- Fluorid hemmt die Demineralisation und beschleunigt die Remineralisation durch die Bildung von schwerer löslichem Fluorapatit.
- Bakterielle Enzyme des Biofilms, insbesondere die Enolase in der Glykolyse, werden durch Fluoridionen direkt gehemmt.
- Für Kinder ab dem 1. Zahn wird laut aktuellen Leitlinien Zahnpasta mit 1000 ppm Fluorid empfohlen.
- Die Schwellendosis für eine akute Intoxikation (Probable Toxic Dose, PTD) liegt bei 5 mg Fluorid pro Kilogramm Körpergewicht.
- Fluoridkonzentration Erwachsenenzahnpasta
- 1450 ppm (0,145 %)
- Fluoridkonzentration Kinderzahnpasta (ab 1. Zahn)
- 1000 ppm
- Fluoridkonzentration hochdosierter Lack (z. B. Duraphat)
- 22.600 ppm (2,26 %)
- Probable Toxic Dose (PTD) Fluorid
- 5 mg F-/kg Körpergewicht
Im Rahmen der Kariesprophylaxe erfolgt die Fluoridierung lokal durch fluoridhaltige Zahnpasten, Lacke oder Gele sowie systemisch über Speisesalz. Bei hoher Kariesaktivität sind hochdosierte Fluoridlacke oder -gele in der Praxis indiziert. Die Dosierung muss altersgerecht angepasst werden, um einer dentalen Fluorose bei Kindern vorzubeugen.
- Fissurenversiegelung
Die Versiegelung schützt schmelzversiegelnd mechanisch morphologische Retentionen, während die Fluoridierung chemisch den Demineralisationsschutz der Zahnhartsubstanz stärkt.
- Remineralisation
Remineralisation beschreibt den physiochemischen Prozess des Mineraleinbaus, wohingegen Fluoridierung die therapeutische Maßnahme zur Zufuhr des Katalysators bezeichnet.
- Irrtum, dass die systemische präeruptive Fluoridierung der entscheidende Faktor zur Kariesprophylaxe sei; klinisch entscheidend ist der posteruptive topische Kontakt.
- Verwechslung von dentaler Fluorose (Systemfolge vor dem Zahndurchbruch) mit einer Fluoridintoxikation (akute toxische Überdosierung).
- Falsche Annahme, dass hochdosierte Fluoridlacke (z. B. 22.600 ppm) bei Kleinkindern wegen systemischer Resorption kontraindiziert seien; bei punktueller Applikation ist die verschluckte Menge minimal.
Fluorid schützt den Schmelz, macht Hydroxy- zu stabilerm Fluorapatit.
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- FolgeHydroxylapatit Chemie
Durch topische Fluoridzufuhr bildet sich im Zahnschmelz Fluorapatit, welches einen niedrigeren kritischen pH-Wert als Hydroxylapatit aufweist.
- FolgeFluorose
Eine übermäßige systemische Fluoridzufuhr während der Amelogenese führt zu Hypomineralisationen in Form einer dentalen Fluorose.
- VoraussetzungKariesrisiko
Die Bestimmung des individuellen Kariesrisikos bestimmt die Frequenz und Dosis intensiverer Fluoridierungsmaßnahmen.
- VerwandtFissurenversiegelung
Beide Maßnahmen sind komplementäre Säulen der primären Kariesprävention in der Zahnheilkunde.
Fluoride, Versiegelung und Individualprophylaxe.