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Zahnerhaltung
geprüft
Kariologie und Ätiologie

Kariesrisiko

Synonyme: Kariesrisikoeinschätzung · Kariesrisikoanalyse

Definition

Das Kariesrisiko beschreibt die Wahrscheinlichkeit eines Individuums, in einem definierten Zeitraum neue Kariesläsionen zu entwickeln oder ein Fortschreiten bestehender Läsionen zu erfahren. Es wird durch ein Zusammenspiel von biologischen, Verhaltens- und sozioökonomischen Faktoren bestimmt. Die Einschätzung dient der Zuordnung zu Risikogruppen und der Steuerung präventiver Maßnahmen.

Prüfungsfokus
  • Die vergangene Karieserfahrung (DMFT/DMFS-Index) ist statistisch der stärkste Einzelprädiktor für das zukünftige Kariesrisiko.
  • Eine stimulierte Speichelfließrate unter 0,7 ml/min gilt als vermindert und erhöht das Kariesrisiko signifikant.
  • Das Kariesrisiko bestimmt maßgeblich die individuellen Recall-Intervalle und die Frequenz von Röntgendiagnostik sowie Intensivfluoridierungen.
  • Ein Nachweis von Streptococcus mutans über 10^5 KBE/ml Speichel gilt im mikrobiologischen Speicheltest als Indikator für ein hohes Risiko.
  • Das Kariesrisiko ist ein dynamischer Zustand und muss bei Änderung von Lebensgewohnheiten oder Allgemeinerkrankungen neu evaluiert werden.
Zahlen & Werte
Grenzwert stimulierte Speichelfließrate (Hyposalivation)
< 0,7 ml/min
Grenzwert unstimulierte Speichelfließrate
< 0,1 ml/min
Schwellenwert Streptococcus mutans (hohes Risiko)
> 10^5 KBE/ml Speichel
Empfohlener Fluoridgehalt Erwachsenenzahnpasta
1450 ppm
Klinische Relevanz

Die Bestimmung des Kariesrisikos erfolgt klinisch durch Erhebung von Indikatoren wie Karieserfahrung (DMFT-Index), Biofilm-Akkumulation und Speicheltests (Speichelfließrate, Pufferkapazität). Ein hohes Risiko erfordert verkürzte Revaluationsintervalle, intensiveren Fluorideinsatz und gezielte Ernährungsberatung. Es bildet das Fundament für ein individuelles Präventionskonzept.

Abgrenzung
  • Kariesaktivität

    Kariesaktivität beschreibt den gegenwärtigen Entmineralisierungsprozess an spezifischen Läsionen, während Kariesrisiko die Gesamtwahrscheinlichkeit neuer Läsionen beschreibt.

  • Karieserfahrung

    Die Karieserfahrung erfasst vergangenheitsbezogen bereits entstandene Defekte sowie Restaurationen (z. B. via DMFT-Index), sagt aber allein nichts über den aktuellen Risikostatus aus.

Typische Fallstricke
  • Verwechseln von Kariesaktivität (Fortschreiten konkreter Läsionen) mit Kariesrisiko (Wahrscheinlichkeit zukünftiger Läsionen im Gesamtsystem).
  • Fehlannahme, dass ein einzelner Speichelparameter (z. B. nur der pH-Wert) ohne Erfassung von Biofilm und Anamnese zur Risikobestimmung ausreicht.
  • Gleichsetzen des DMFT-Index mit dem aktuellen Risiko, obwohl dieser lediglich die historische Karieserfahrung abbildet.
Merksatz

Hohes Kariesrisiko fordert kurze Revalidierung und mehr Fluorid.

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Zusammenhänge
Teil von: Kariologie und Ätiologie

Entstehung, Progression und Risikobewertung der Karies.