Gingivahyperplasie
Synonyme: Gingivawucherung · Zahnfleischwucherung · Gingivavergrößerung
Als Gingivahyperplasie bezeichnet man die Volumenzunahme der Gingiva, die häufigste medikamentös bedingte Veränderung am Parodont. Klassische Auslöser sind Phenytoin, Ciclosporin A und Calciumkanalblocker vom Dihydropyridin-Typ, insbesondere Nifedipin. Die Wucherung beginnt typischerweise an den Interdentalpapillen und kann bis zur Überdeckung der Zahnkronen fortschreiten.
- Die drei klassischen Medikamentengruppen sind Antikonvulsiva (Phenytoin), Immunsuppressiva (Ciclosporin A) und Calciumkanalblocker (Nifedipin).
- Plaque ist ein wesentlicher Kofaktor; ohne Entzündung ist die Ausprägung deutlich geringer.
- Die Wucherung beginnt an den Interdentalpapillen.
- Es entstehen Pseudotaschen ohne Attachmentverlust.
- Häufigkeit unter Phenytoin
- je nach Kollektiv ca. 50 %
- Häufigkeit unter Ciclosporin A
- ca. 25–30 %
- Häufigkeit unter Nifedipin
- ca. 10–20 %
Voraussetzung für die Ausprägung ist in aller Regel vorhandene Plaque – die Medikamente allein lösen die Wucherung selten aus. Deshalb steht die konsequente Entzündungskontrolle an erster Stelle, ergänzt durch die Prüfung, ob das auslösende Medikament in Absprache mit der behandelnden Praxis ersetzt werden kann. Bleibt ein funktionelles oder ästhetisches Problem, folgt die Gingivektomie.
- Pseudotasche
Beschreibt den Befund der vertieften Sondierung; die Hyperplasie ist eine ihrer Ursachen.
- Parodontitis
Geht mit echtem Attachment- und Knochenverlust einher, nicht mit reiner Volumenzunahme.
- Gingivektomie ohne vorherige Entzündungskontrolle mit rascher Rezidivbildung.
- Eigenmächtiges Absetzen des auslösenden Medikaments statt Rücksprache mit der behandelnden Praxis.
- Verwechslung der Pseudotasche mit einer echten parodontalen Tasche.
Phenytoin, Ciclosporin, Nifedipin – die drei klassischen Auslöser, und Plaque macht daraus eine Wucherung.
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