Parodontitis
Synonyme: Parodontose · Periodontitis
Die Parodontitis ist eine chronisch-entzündliche, multifaktorielle Erkrankung des Zahnhalteapparates, die durch einen dysbiotischen Biofilm ausgelöst wird. Sie führt zur irreversiblen Destruktion des alveolären Knochens, des Desmodonts und des Wurzelzementes. Die aktuelle Klassifikation teilt die Parodontitis nach Stadiierung (Schweregrad) und Gradierung (Progressionsrisiko) ein.
- Die Stadiierung der Parodontitis basiert primär auf dem interdentalen klinischen Attachmentverlust am Ort der schwersten Destruktion.
- Die Gradierung beurteilt das biologische Progressionsrisiko und wird durch Risikofaktoren wie Rauchen und Diabetes mellitus modifiziert.
- Eine Parodontitis liegt vor bei interdentalem Attachmentverlust an mindestens zwei nicht-angrenzenden Zähnen.
- Porphyromonas gingivalis gilt als Schlüsselkeim des roten Komplexes bei der Dysbiose der subgingivalen Mikroflora.
- Der Gradierungs-Quotient errechnet sich aus dem prozentualen radiologischen Knochenabbau bezogen auf die Wurzellänge dividiert durch das Alter des Patienten.
- Attachmentverlust Stadium I
- 1–2 mm
- Attachmentverlust Stadium II
- 3–4 mm
- Attachmentverlust Stadium III/IV
- ≥ 5 mm
- Grad B/C-Grenze Rauchen
- ≥ 10 Zigaretten/Tag
- Grad B/C-Grenze Diabetes
- HbA1c ≥ 7,0 %
Diagnostisch manifestiert sich die Parodontitis durch echten Attachmentverlust, vertiefte Sondierungstaschen und radiologischen Knochenabbau. Therapeutisch steht die Reduktion der bakteriellen Last mittels systematischer Parodontaltherapie im Vordergrund.
- Gingivitis
Gingivitis zeigt zwar zahnfleischbezogene Entzündungszeichen, verläuft jedoch ohne Verlust von desmodontalem Attachment oder Alveolarknochen.
- Pseudotasche
Eine Pseudotasche entsteht durch Gewebevergrößerung nach koronal ohne apikale Migration des junctionalen Epithels.
- Periimplantitis
Die Periimplantitis betrifft das periimplantäre Hart- und Weichgewebe von Enossalen Implantaten anstelle des natürlichen Parodonts.
- Pseudotaschen bei Gingivahyperplasie ohne echten Attachmentverlust fälschlicherweise als Parodontitis zu klassifizieren.
- Attachmentverlust durch nicht-parodontale Ursachen (z. B. endodontische Läsionen, Karies, Wurzelfrakturen oder Schmelz-Zement-Grenz-nahe Präparationsränder) als Parodontitis zu fehldeuten.
- Gingivitis und Parodontitis gleichzusetzen, obwohl erstere keinen strukturellen Abbau von Desmodont und Alveolarknochen aufweist.
Parodontitis zerstört irreversibel den Halteapparat, Gingivitis bleibt reversibel am Zahnfleisch.
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- DiagnostikKlinischer Attachmentverlust
Der klinische Attachmentverlust ist der Goldstandard zur Feststellung und Stadiierung des Gewebeabbaus bei Parodontitis.
- TherapieSubgingivale Instrumentierung
Die subgingivale Instrumentierung stellt das mechanische Fundament der Stufe-2-Parodontaltherapie dar.
- VoraussetzungPorphyromonas gingivalis
Porphyromonas gingivalis fungiert als Keyston-Pathogen, das die Umwandlung eines symbiotischen in einen dysbiotischen Biofilm induziert.
- FolgeUnterstützende Parodontaltherapie
Nach erfolgreicher aktiver Behandlung erfordert die Parodontitis als chronische Erkrankung eine lebenslange unterstützende Parodontaltherapie.
Befunderhebung, Indizes und Stadien-/Gradeinteilung.