Mikrobiom der Mundhöhle
Synonyme: Oral Microbiome · Mundflora · Orale Biofilm-Mikroflora
Das Mikrobiom der Mundhöhle umfasst die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Archaeen, Pilze, Viren), die die verschiedenen oralen Habitate besiedeln. Über 700 Bakterienarten leben im komplexen Gleichgewicht eines Biofilms, wobei Streptococcus-Arten oft den Pionieraufwuchs auf dem Zahnschmelz bilden. Eine ökologische Verschiebung dieser Mikrobiota (Dysbiose) durch Milieuänderungen führt zur Selektion pathogener Keime. So begünstigt ein azides Milieu azidogene Säurebildner wie Streptococcus mutans (Karies), während ein anaerobes, proteinreiches Milieu Porphyromonas gingivalis (Parodontitis) fördert.
- Streptococcus mutans und Lactobazillen sind die Hauptkeime der Kariesinitiations- und Progression.
- Porphyromonas gingivalis, Treponema denticola und Tannerella forsythia bilden den 'Roten Komplex' nach Socransky.
- Biofilme schützen Insassen durch die Extrazelluläre Polymere Substanz (EPS) vor Abwehr und Antiseptika.
- Supragingival dominieren grampositive Aerobier, subgingival gramnegative Anaerobier.
- Anzahl bekannter oraler Bakterienarten
- > 700 Arten
- Anteil von Streptococcus-Spezies am frühen Biofilm
- bis zu 80%
- Kritischer pH-Wert für Schmelzdemineralisation
- 5,5
Die gezielte Störung der Symbiose durch schlechte Mundhygiene oder kohlenhydratreiche Ernährung führt zu den Hauptvolkskrankheiten Karies und Parodontitis. Das Verständnis der Biofilmarchitektur erklärt die Resistenz oraler Keime gegenüber Mundspüllösungen und Antibiotika.
- Annahme, dass die orale Flora im gesunden Zustand steril sei.
- Verwechslung des Roten Komplexes (Parodontitis) mit Karieserregern.
Mutans macht die Säure tief, Gingivalis macht das Bettchen schief.
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Mundflora, Plaquereifung und mikrobielle Ökologie.