Biofilm
Synonyme: Dentaler Biofilm · Dentale Plaque
Ein Biofilm ist eine strukturierte Gemeinschaft von Mikroorganismen, die in einer selbstproduzierten Matrix aus extrazellulären polymeren Substanzen (EPS) eingebettet ist und an einer Oberfläche haftet. In der Mundhöhle bildet er die Grundlage für Karies, Gingivitis und Parodontitis. Die Matrix schützt die enthaltenen Bakterien vor äußeren Einflüssen und dem Immunsystem des Wirts.
- Die Selbstreinigung und Matrixbildung aus extrazellulären polymeren Substanzen (EPS) schützt die Bakterien vor Antiseptika und Immunzellen.
- Die bakterielle Besiedlung erfolgt chronologisch von grampositiven Pionierkeimen hin zu obligat anaeroben, gramnegativen Komplexen.
- Quorum Sensing ermöglicht die interbakterielle Kommunikation und steuert die Virulenzgenexpression im strukturierten Biofilm.
- Eine rein chemische Disruption des parodontalen Biofilms ohne mechanische Aufbrechung ist klinisch wirkungslos.
- Socransky-Komplexe teilen den Biofilm ein, wobei der rote Komplex die höchste Parodontopathogenität aufweist.
- EPS-Anteil an der Biofilm-Biomasse
- ca. 85%
- Bakterienanteil an der Biofilm-Biomasse
- ca. 15%
- Erhöhung der Antibiotikaresistenz im Biofilm
- bis zu 1000-fach
- Reifungsdauer für einen strukturierten Biofilm
- 24-48 Stunden
Die mechanische Biofilmentfernung durch häusliche Mundhygiene und professionelle Zahnreinigung (PZR) beziehungsweise Subgingivales Scaling ist der wichtigste Pfeiler der Parodontitisprävention und -therapie. Biofilme zeigen eine hohe Resistenz gegenüber Antimikrobiotika und dem Immunsystem, weshalb eine Rein-chemische Bekämpfung ohne mechanische Aufbrechung wirkungslos ist.
- Materia alba
Ungliederter, weicher Belag aus Bakterien und Desquamativzellen, der im Gegensatz zum Biofilm ohne Mechanik abspülbar ist.
- Zahnstein (Calculus)
Mineralisierter Biofilm, der primär als Retentionsstelle für neuen aktiven Biofilm dient, selbst aber nicht direkt infektiös ist.
- Verwechslung von Biofilm mit Materia alba, welche unstrukturiert aufgelagert und durch Wasserstrahl leicht abspülbar ist.
- Fehlannahme, dass Mundspüllösungen wie Chlorhexidin den ausgereiften subgingivalen Biofilm ohne mechanische Vorarbeit penetrieren können.
- Gleichsetzung von Plaquequantität mit Erkrankungsschwere ohne Berücksichtigung der individuellen Wirtsantwort.
Ohne mechanische Störung schützt die Matrix den Biofilm dauerhaft.
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- VerwandtPorphyromonas gingivalis
Porphyromonas gingivalis ist ein zentraler pathogenetischer Leitkeim des roten Komplexes im reifen subgingivalen Biofilm.
- TherapieSubgingivale Instrumentierung
Die mechanische Zerstörung der Biofilmmatrix mittels subgingivaler Instrumentierung ist die Basis der Parodontitistherapie.
- DiagnostikSocransky-Komplexe
Die Socransky-Komplexe klassifizieren die Mikroorganismen des oralen Biofilms nach ihrer Pathogenität und zeitlichen Besiedlung.
- TherapieChlorhexidin
Chlorhexidin dient als chemisches Antiseptikum zur Reduktion der Plaqueneubildung nach mechanischer Biofilmentfernung.
Aufbau des Zahnhalteapparats, Biofilm und Risikofaktoren.