Karies
Synonyme: Sekundärkaries · Zahnfäule · Caries dentium
Karies ist eine chronische, multifaktorielle Erkrankung der Zahnhartsubstanzen Schmelz, Dentin und Zement. Sie entsteht durch ein Ungleichgewicht zwischen de- und remineralisierenden Prozessen infolge von organischen Säuren, die von karyogenen Bakterien im Biofilm aus kohlenhydratreicher Nahrung gebildet werden. Unbehandelt führt Karies zum irreversiblen Verlust von Gewebe und schließlich zur Pulpanekrose.
- Mutans-Streptokokken und Lactobazillen gelten als primäre Schlüsselkeime der karyogenen Biofilm-Mikroflora.
- Der kritische pH-Wert für die demineralisierende Auflösung von Hydroxylapatit im Schmelz liegt bei 5,5, im Dentin bereits bei 6,2 bis 6,7.
- Histologisch gliedert sich die Schmelzkaries von innen nach außen in transparente Zone, dunkle Zone, Läsionskörper und intakte Oberflächenschicht.
- Initialkaries ohne Kavitationsbildung ist durch Remineralisation oder mikroinvasive Kariesinfiltration vollständig arretierbar.
- Karies ist das Ergebnis eines zeitlichen Ungleichgewichts, bei dem Demineralisationsphasen die remineralisierenden Speichelphasen überwiegen.
- Kritischer pH-Wert Schmelz
- 5,5
- Kritischer pH-Wert Dentin
- 6,2–6,7
- ICDAS-Stufen
- 0 bis 6
Die Diagnose erfolgt visuell-taktil (z. B. ICDAS), optisch und röntgenologisch (Bissflügelaufnahme). Therapeutisch wird zwischen non-invasiven Maßnahmen (Remineralisation bei Initialkaries), mikro-invasiven Verfahren (Kariesinfiltration) und invasiven Füllungstherapien nach Kariesexkavation unterschieden. Ziel ist der maximale Erhalt gesunder Hartsubstanz.
- Erosiver Zahnhartsubstanzverlust
Entsteht durch direkte säurebedingte chemische Herauslösung mineralischer Komponenten ohne Beteiligung von Bakterien.
- Dentalfluorose
Stellt eine systemisch bedingte Schmelzfehlbildung durch chronische Überdosierung von Fluorid während der Odontogenese dar.
- Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation
Ist eine qualitative Schmelzbildungsstörung systemischer Ursache, die bereits beim Zahndurchbruch als abgegrenzte Opazität vorliegt.
- Verwechseln von aktiver und arretierter Karies: Inaktive Läsionen sind glatt sowie hart und bedürfen keiner invasiven Füllungstherapie.
- Übermäßige visuell-taktile Sondierung mit einer spitzen Sonde: Kann die intakte Schmelzoberflächenschicht einer Initialläsion irreversibel schädigen.
- Gleichsetzen einer röntgenologischen Dentinaufhellung mit einer obligaten Bohrindikation bei noch intakter Schmelzoberfläche.
Zucker plus Bakterien ergibt Säure, Säure löst den Zahn.
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- FolgePulpitis
Das Unbehandelte Fortschreiten der Karies ins tiefe Dentin führt durch bakterielle Toxine zur Entzündung der Pulpa.
- DiagnostikBissflügelaufnahme
Dient als röntgenologischer Goldstandard zur Früherkennung von Approximal- und Okklusalkaries.
- TherapieKariesexkavation
Bezeichnet die gezielte Abtragung des infizierten und irreversibel demineralisierten Gewebes.
- TherapieFissurenversiegelung
Nutzt die mechanische Barrierewirkung von Kunststoffen zur Prävention und Arretierung initialer Fissurenkaries.
Entstehung, Progression und Risikobewertung der Karies.