Nervverletzungen nach Eingriffen
Synonyme: Iatrogene Nervschädigung · Hypästhesie N. alveolaris inferior · Lingualisschädigung
Iatrogene Nervverletzungen im Kieferbereich betreffen überwiegend den Nervus alveolaris inferior und den Nervus lingualis, meist infolge von Weisheitszahnextraktionen, Implantationen oder Leitungsanästhesien. Die Läsionsgrade werden nach Seddon in Neurapraxie, Axonotmesis und Neurotmesis eingeteilt. Sie äußern sich klinisch in Hypästhesien, Anästhesien, Dysästhesien oder Parästhesien im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs.
- Nervus alveolaris inferior verläuft im Canalis mandibularis; erhöhtes Risiko bei Wurzelnhebelung nahe dem Kanal.
- Nervus lingualis verläuft sublingual im Weichgewebe nahe der lingualen Kompaktase im Molarenbereich.
- Neurapraxie: Funktionelle Leitungsunterbrechung bei intakter Hülle und Axon (vollständige Regeneration in Wochen).
- Neurotmesis: Komplette Durchtrennung des Nervs ohne spontane Regenerationsaussicht.
- Regenerationsfenster Neurochirurgie
- 3-6 Monate postoperativ
- Regenerationsrate Neurapraxie
- 100% innerhalb von 2-8 Wochen
Eine exakte Dokumentation des prä- und postoperativen Sensibilitätsstatus ist forensisch unerlässlich. Bei anhaltenden Taubheitsgefühlen oder Schmerzen > 3–6 Monate muss eine neurochirurgische Rekonstruktion geprüft werden.
- Neurapraxie
Reine Leitungsblockade ohne strukturelle Kontinuitätstrennung von Axon oder Hülle.
- Neurotmesis
Vollständige Kontinuitätstrennung des gesamten Nervenstamms.
- Verwechselung von Hypästhesie (Taubheit) mit Dysästhesie/Parästhesie (Missempfindung/Schmerz).
- Fehlende Dokumentation des Sensibilitätsbefunds vor Weisheitszahnentfernung.
Seddon stuft ein: Neurapraxie heilt fein, Neurotmesis reißt entzwei!
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Frakturen, Luxationen und Schädigungen sensibler Nerven.