ZahnLexikon
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Zahnerhaltung
geprüft
Adhäsivtechnik und Komposit

Dentinadhäsion

Synonyme: Dentinbonding · Dentinverbund

Definition

Die Dentinadhäsion beschreibt den mikromechanischen und chemischen Verbund zwischen einem restaurativen Werkstoff und dem organisch-anorganischen Dentin. Sie erfordert die Entfernung oder Penetration der Schmierschicht (Smear Layer) sowie die Freilegung des Kollagennetzwerks. Ziel ist die Ausbildung einer stabilen HybridSchicht.

Prüfungsfokus
  • Etch-and-Rinse-Systeme erfordern eine Phosphorsäureätzung, um die Schmierschicht vollständig zu entfernen und die Kollagenmatrix freizulegen.
  • Das Übertrocknen des konditionierten Dentins (Over-drying) führt zum Kollaps des Kollagennetzwerks und verhindert die vollständige Monomerinfiltration.
  • Selbstätzende (Self-Etch) Adhäsive lösen die Schmierschicht nicht auf, sondern modifizieren und durchdringen sie unter Einbindung in die Hybridschicht.
  • Universaladhäsive enthalten funktionelle Monomere wie 10-MDP, die eine chemische Bindung an das Hydroxylapatit des Dentins eingehen.
  • Der langfristige Abbau der Hybridschicht erfolgt durch Hydrolyse des Harzes und enzymatische Degradation freiliegender Kollagenfasern durch endogene Matrix-Metalloproteinasen (MMPs).
Zahlen & Werte
Maximale Ätzzeit für Dentin mit 37% Phosphorsäure
15 s
Durchschnittliche Dentinhaftfestigkeit moderner Adhäsivsysteme
20–30 MPa
Dicke der entwickelten Hybridschicht (Etch-and-Rinse)
3–5 µm
Demineralisierungstiefe bei Phosphorsäure konditioniertem Dentin
3–7 µm
Klinische Relevanz

In der Adhäsivtechnik unterscheidet man zwischen Etch-and-Rinse- und Self-Etch-Systemen. Für einen dauerhaften Verbund muss die Kollagenmatrix nach dem Ätzen vor dem Kollaps bewahrt oder durch selbstätzende Monomere infiltriert werden. Eine unvollständige Durchdringung führt zu Mikroleckagen, Sekundärkaries und postoperativen Hypersensibilitäten.

Abgrenzung
  • Schmelzadhäsion

    Basiert rein mikromechanisch auf der Erzeugung von Mikrorauigkeiten im anorganischen Schmelz, während Dentinadhäsion zusätzlich die Penetration eines organischen Kollagennetzwerks erfordert.

  • Glasionomerzement-Bindung

    Beruht primär auf einer chemischen Ionenbindung zwischen Carboxylatgruppen des Zements und Kalzium des Hydroxylapatits ohne Ausbildung einer klassischen Harz-Hybridschicht.

Typische Fallstricke
  • Zu langes Ätzen des Dentins (> 15 Sekunden) führt zu einer zu tiefen Demineralisierung, die vom Monomer nicht vollständig durchdrungen werden kann.
  • Übermäßiges Trocknen des Dentins nach dem Spülen kollabiert die Kollagenfasern und reduziert die Haftkraft drastisch (Wet Bonding beachten).
  • Verwechseln der Anwendungsbereiche: Self-Etch-Systeme erreichen an unbeschliffenem Schmelz ohne selektive Phosphorsäureätzung keine ausreichend stabile Adhäsion.
Merksatz

Säure ätzt, Primer benetzt, Adhäsiv verbindet – die Hybridschicht hält fest.

Bilder & Videos

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Zusammenhänge
Teil von: Adhäsivtechnik und Komposit

Haftvermittlung, Schichttechnik und Polymerisation.