ZahnLexikon
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Zahnerhaltung
geprüft
Zahnhartsubstanzdefekte nicht kariöser Genese

Dentinhypersensibilität

Synonyme: Dentinempfindlichkeit · Zahnhalsüberempfindlichkeit

Definition

Die Dentinhypersensibilität ist ein kurzer, scharfer Schmerz, der durch thermische, taktile, osmotische oder chemische Reize auf freiliegendem Dentin ausgelöst wird. Pathophysiologisch wird sie meist durch die Hydrodynamische Theorie nach Brännström erklärt, bei der Flüssigkeitsbewegungen in den Dentintubuli Nervenfasern an der Pulpa-Dentin-Grenze reizen. Mögliche Ursachen sind Gingivarezessionen, Erosionsschäden oder Abrasionen.

Prüfungsfokus
  • Die Hydrodynamische Theorie nach Brännström erklärt die Dentinhypersensibilität durch schmerzhafte Flüssigkeitsverschiebungen in den Dentintubuli, welche A-Delta-Nervenfasern stimulieren.
  • Freiliegendes Dentin sowie patent offene Dentinkanälchen sind zwingende pathophysiologische Voraussetzungen für das Auftreten der Beschwerden.
  • Therapeutisch wirken Substanzen entweder nervenblockierend durch Depolarisationshemmung (z. B. Kalium-Ionen) oder tubulusverschließend (z. B. Fluoride, Oxalate, Glutaraldehyd).
  • Der Schmerz bei Dentinhypersensibilität ist typischerweise scharf, von kurzer Dauer und verschwindet unmittelbar nach Entfernung des auslösenden Reizes.
  • Vor Beginn einer desensibilisierenden Therapie müssen Karies, Zahnrisse und entzündliche Pulpaerkrankungen differenzialdiagnostisch ausgeschlossen werden.
Zahlen & Werte
Fluoridgehalt in hochdosierten Desensibilisierungslacken (z. B. NaF-Lack)
22.600 ppm (5 % NaF)
Glutaraldehyd-Konzentration in desensibilisierenden Präparaten
5 %
Kaliumnitrat-Konzentration in desensibilisierenden Zahnpasten
5 %
Klinische Relevanz

Klinisch werden Reizleitungsinhibitoren wie Kaliumnitrat oder versiegelnde Agenzien wie Fluoridlacke, Glutaraldehyd und Dentinadhäsive eingesetzt. Vor der Therapie müssen Karies, Pulpitis oder Risse differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Bei rezidivierenden Beschwerden können auch Lasertherapie oder abdeckende Füllungen indiziert sein.

Abgrenzung
  • Pulpitis irreversibilis

    Verursacht im Gegensatz zur Dentinhypersensibilität spontane, oft nachts auftretende und lang anhaltende Schmerzen.

  • Zahnriss (Crack-Syndrom)

    Provoziert Schmerzen primär bei okklusaler Belastung und Entlastung des betroffenen Zahnes statt rein auf thermische oder chemische Reize.

Typische Fallstricke
  • Fehldiagnose einer Pulpitis irreversibilis mit anschließender trepanierender Wurzelkanalbehandlung bei an sich reversibler Dentinhypersensibilität.
  • Empfehlung unmittelbarer Mechanoreinigung nach Konsum saurer Lebensmittel, was den Substanzabtrag an erosionsempfindlichem Dentin verstärkt.
Merksatz

Flüssigkeit bewegt sich, Nerv reagiert: Schneller Schmerz durch freies Dentin.

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