ZahnLexikon
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Parodontologie
geprüft
Parodontale Diagnostik und Klassifikation

Gingivarezession

Synonyme: Zahnfleischrückgang · Gingivaler Rückgang

Definition

Unter einer Gingivarezession versteht man den parodontitisunabhängigen oder -bedingten Rückgang des marginalen Parodonts mit Freilegung der Schmelz-Zement-Grenze. Sie entsteht primär durch mechanische Traumata wie falsche Putztechnik, anatomische Prädispositionen oder als Folge entzündlichen Attachementverlusts.

Prüfungsfokus
  • Nach der aktuellen Klassifikation von Cairo (2011) werden Rezessionen anhand des interdentalen Attachmentverlusts in RT1, RT2 und RT3 eingeteilt.
  • Ein dünner parodontaler Phänotyp gilt als wesentlicher anatomischer Risikofaktor für das Entstehen bukkaler Rezessionen.
  • Traumatische Zahnputztechniken mit harten Borsten sind die häufigste mechanische Ätiologie für isolierte V-förmige Rezessionen.
  • Eine vollständige Wurzeldeckung ist vorhersagbar nur bei Rezessionen ohne interdentalen Attachmentverlust (Cairo RT1 bzw. Miller I/II) erreichbar.
  • Das freie Bindegewebstransplantat kombiniert mit einem koronalen Verschiebelappen gilt als Goldstandard der chirurgischen Rezessionsdeckung.
Zahlen & Werte
Cairo-Klassifikation RT1
0 mm interdentaler Attachmentverlust
Cairo-Klassifikation RT2
Interdentaler Attachmentverlust <= bukkaler Attachmentverlust
Cairo-Klassifikation RT3
Interdentaler Attachmentverlust > bukkaler Attachmentverlust
Kritische Breite keratinisierter Gingiva
< 2 mm
Klinische Relevanz

Klinisch führt die Rezession zu freiliegendem Dentin mit potenzieller Hypersensibilität, ästhetischen Beeinträchtigungen und erhöhtem Risiko für Wurzelkaries. Die Therapie umfasst die Ausschaltung ätiologischer Faktoren (z. B. Instruktion zur traumatofreien Putztechnik) sowie gegebenenfalls plastik-chirurgische Eingriffe wie das freie Bindegewebstransplantat zur Deckung.

Abgrenzung
  • Keilförmiger Defekt

    Zahnhartsubstanzverlust im Zervikalbereich durch Abfraktion oder Abrasion, der häufig mit Rezessionen kombiniert auftritt, aber primär den Zahn betrifft.

  • Pseudotasche

    Vergrößerung der Gingiva nach koronal ohne apikalen Attachmentverlust, während bei der Rezession die Schmelz-Zement-Grenze freiliegt.

  • Parodontitis

    Entzündlicher Attachmentverlust mit vertikalem oder horizontalem Knochenabbau und echten Taschen, im Gegensatz zu primär traumainduzierten Rezessionen.

Typische Fallstricke
  • Verwechselung von Sondierungstiefe und Rezessionstiefe; der klinische Attachmentverlust errechnet sich aus der Summe beider Werte.
  • Fehlannahme, dass jede Rezession Indikation für einen chirurgischen Eingriff ist; bei Beschwerdefreiheit und Progressionlosigkeit reicht die Traumareduktion.
  • Gleichsetzung der Miller-Klassifikation mit der Cairo-Klassifikation, obwohl Cairo auf den interdentalen Attachmentverlust fokussiert.
Merksatz

Rezession zieht das Zahnfleisch zurück und legt Wurzeln frei.

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Zusammenhänge
Teil von: Parodontale Diagnostik und Klassifikation

Befunderhebung, Indizes und Stadien-/Gradeinteilung.