ZahnLexikon
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Endodontie
geprüft
Endodontische Diagnostik

Sensibilitätsprüfung

Synonyme: Vitalitätsprobe · Sensibilitätstestung

Definition

Die Sensibilitätsprüfung dient der indirekten Beurteilung des Vitalitätszustands der Pulpa durch Reizung afferenter Nervenfasern. Häufig kommen thermische Reize wie Kältesprays oder elektrische Reize zum Einsatz. Ein positives Ergebnis zeigt intakte Nervenfasern an, lässt jedoch keine direkten Rückschlüsse auf die vaskuläre Durchblutung zu.

Prüfungsfokus
  • Die Sensibilitätsprüfung testet die Funktion der klüftenden A-Delta-Nervenfasern, nicht jedoch die tatsächliche vaskuläre Durchblutung der Pulpa.
  • Der Kältetest mit Kältespray oder CO2-Schnee besitzt im Vergleich zum Wärmetest eine höhere Sensitivität und Spezifität.
  • Vor der Testung des fraglichen Zahnes muss stets ein Referenzzahn geprüft werden, um die individuelle Reaktionsschwelle des Patienten zu ermitteln.
  • Nach einem akuten Dentaltrauma kann die Sensibilitätsprüfung aufgrund einer vorübergehenden Neurapraxie (Pulpashock) initial falsch-negativ ausfallen.
  • Überkronte Zähne isolieren thermisch, weshalb bei ihnen bevorzugt CO2-Schnee oder die elektrische Pulpenprüfung eingesetzt werden.
Zahlen & Werte
Temperatur von Kohlendioxidschnee (CO2-Eis)
-78 °C
Temperatur von Kältesprays (z. B. Tetrafluorethan)
-50 °C
Sensitivität des Kältetests in der endodontischen Diagnostik
ca. 85-90 %
Klinische Relevanz

Vor jeder endodontischen Maßnahme ist die Sensibilitätsprüfung an betroffenen Zähnen und Referenzzähnen durchzuführen und zu dokumentieren. Ein negativer Ausfall weist meist auf eine Pulpanekrose hin, bedarf aber der Verifizierung durch weitere Befunde.

Abgrenzung
  • Vitalitätsprüfung

    Die Vitalitätsprüfung misst die Mikrozirkulation des Blutflusses (z. B. via Laser-Doppler-Flowmetrie), während die Sensibilitätsprüfung nur die neuronalen Reizleitungsmuster erfasst.

  • Elektrische Pulpenprüfung

    Die elektrische Pulpenprüfung stimuliert Nervenfasern durch Stromfluss rein binär (Reaktion vorhanden/nicht vorhanden), erlaubt aber keine Graduierung des Entzündungszustands.

  • Perkussionstest

    Der Perkussionstest beurteilt den Entzündungszustand des Desmodonts und des periapikalen Gewebes, nicht jedoch das koronale Pulpagewebe.

Typische Fallstricke
  • Gleichsetzung von Sensibilität und Vitalität: Ein sensibilitätsnegativer Zahn nach frischem Trauma kann histologisch noch durchblutet und somit vital sein.
  • Falsch-positive Ergebnisse bei der elektrischen Pulpenprüfung durch Kriechströme über Speichel oder Gingiva bei unzureichender Trockenlegung.
  • Direktes Aufsprühen des Kältesprays auf die Zahnkrone statt Nutzung eines getränkten Pellets, was zu diffusen Fehllokalisationen führt.
Merksatz

Die Sensibilitätsprüfung testet die neuronale Reaktion und nicht die vaskuläre Perfusion.

Bilder & Videos

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Zusammenhänge
Teil von: Endodontische Diagnostik

Befunderhebung, Sensibilitäts- und Längenmessung vor der Behandlung.