ZahnLexikon
← Zurück zum Lexikon
Zahnerhaltung
geprüft
Diagnostik und Befund

Pulpitis irreversibilis

Synonyme: Irreversible Pulpitis · Symptomatische Pulpitis

Definition

Die Pulpitis irreversibilis ist eine irreversible Entzündung der Pulpa, bei der keine selbstständige Ausheilung des Gewebes mehr möglich ist. Sie entsteht meist durch das Voranschreiten bakterieller Toxine oder Bakterien selbst bis in die unmittelbare Nähe des Pulpakavums. Ohne therapeutisches Eingreifen führt sie zur Pulpanekrose.

Prüfungsfokus
  • Der Schmerz bei einer Pulpitis irreversibilis bleibt nach Entfernung des thermischen Reizes typischerweise noch Sekunden bis Minuten bestehen.
  • Die Sensibilitätsprüfung fällt in der Regel positiv, schmerzhaft verstärkt sowie langanhaltend aus.
  • Im Röntgenbild zeigt sich bei einer reinen Pulpitis irreversibilis meist noch keine periapikale Aufhellung.
  • Bei entzündlicher Mitbeteiligung des apikalen Parodonts kann der Zahn klopfempfindlich reagieren.
  • Das therapeutische Standardverfahren beim ausgewachsenen Zahn ist die Vitalexstirpation im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung.
Zahlen & Werte
Reaktionsdauer beim Kältetest nach Reizentfernung
> 10 Sekunden (verzögertes Abklingen)
Erfolgsrate der Primärbehandlung mittels Vitalexstirpation
90–95 %
Klinische Relevanz

Typisch sind spontane, anhaltende oder ausstrahlende Schmerzen, die oft durch thermische Reize verstärkt werden und verzögert abklingen. Die indizierte Therapie ist die Vitalexstirpation im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung oder in indizierten Fällen eine Pulpotomie.

Abgrenzung
  • Pulpitis reversibilis

    Klingt der Schmerz unmittelbar nach Reizentfernung ab und fehlen Spontanschmerzen, liegt lediglich eine reversible Pulpitis vor.

  • Pulpanekrose

    Bei einer Pulpanekrose ist das Gewebe avital und die Sensibilitätsprüfung fällt negativ aus.

  • Apikale Parodontitis

    Die apikale Parodontitis zeigt im Gegensatz zur rein intrapulpalen Entzündung eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit und oft radiologische Befunde.

Typische Fallstricke
  • Fehldeutung einer veränderten Sensibilität bei obliteriertem Pulpenkavum als Areflexie oder falsch-negativer Befund.
  • Durchführung einer direkten Überkappung trotz Vorliegens klinischer Symptome einer irreversiblen Entzündung.
  • Verwechslung mit einer reversiblen Pulpitis, bei welcher der Reizschmerz unmittelbar nach Reizentfernung abklingt.
Merksatz

Langanhaltender Schmerz nach Kältereiz zeigt das funktionelle Ende der Pulpa an.

Bilder & Videos

Medien werden gesucht …

Zusammenhänge
Teil von: Diagnostik und Befund

Kariesdetektion, Vitalitätsprüfung und Befundsysteme.