Glasionomerzement
Synonyme: GIZ · Glasionomer-Zement
Glasionomerzement (GIZ) ist ein mineralischer Werkstoff, der durch eine Säure-Basen-Reaktion zwischen einem Fluoroaluminosilikat-Glas und einer Polyalkensäure aushärtet. Er zeichnet sich durch eine chemische Adhäsion am Dentin und Schmelz sowie eine kontinuierliche Fluoridfreisetzung aus. Seine mechanische Belastbarkeit und Abrasionsstabilität sind im Vergleich zu Kompositen geringer.
- Die Aushärtung basiert auf einer Säure-Basen-Reaktion zwischen Polyalkensäure und Fluoroaluminosilikatglas.
- Die chemische Haftung an Schmelz und Dentin entsteht durch Chelatbildung der Carboxylatgruppen mit Calciumionen.
- Fluoridionen werden kontinuierlich freigesetzt und bieten Kariesprotektion sowie die Möglichkeit der Re-Fluoridierung.
- In der initialen Abbindephase ist GIZ extrem feuchtigkeitsempfindlich und erfordert zwingend den Schutz durch ein Coating.
- Aufgrund unzureichender Biegefestigkeit und Abrasionsstabilität ist GIZ in kaufunktionstragenden Bereichen kontraindiziert.
- Dentin-Haftfestigkeit
- 3-5 MPa
- Druckfestigkeit
- 150-200 MPa
- Konditionierungszeit mit Polyacrylsäure
- 10-15 s
- Polyacrylsäure-Konzentration zur Konditionierung
- 10-20 %
GIZ dient primär als provisorisches Füllungsmaterial, zur Unterfüllung sowie zur Restauration von Milchzähnen und Halsdefekten (Klasse V). Die Verarbeitung erfolgt manuell oder im Kapselsystem, wobei die Kavität konditioniert und vor Feuchtigkeit während der Abbindephase geschützt werden muss (Coating).
- Kompomer
Kompomere polymerisieren primär radikalisch und weisen erst durch Wasseraufnahme eine untergeordnete Säure-Basen-Reaktion auf.
- Zinkphosphatzement
Zinkphosphatzement bindet rein mikromechanisch ohne chemische Adhäsion an der Zahnhartsubstanz und setzt keine Fluoride frei.
- Amalgam
Amalgam zeigt deutlich höhere mechanische Festigkeiten und Biegewerte, besitzt jedoch keinerlei Adhäsion oder Fluoridfreisetzung.
- Verwechseln der Säurekonditionierung: Dentin wird vor GIZ-Applikation mild mit Polyacrylsäure konditioniert und nicht wie bei Adhäsivsystemen mit Phosphorsäure tiefenentkalkt.
- Fehlender Feuchtigkeitsschutz: Eine Exposition gegenüber Speichel oder Wasser während der Reifungsphase führt zu Transparenzverlust und drastischem Festigkeitsabfall.
- Gleichsetzen mit Kompomeren: Kompomere sind kunststoffbasiert mit primär radikalischer Polymerisation, während konventionelle GIZ primär über eine Säure-Basen-Reaktion aushärten.
GIZ klebt chemisch selbst und schützt durch Fluorid.
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- TherapieAtraumatische Restaurationstechnik
GIZ ist das Standardmaterial für die Atraumatische Restaurationstechnik, da er manuell verarbeitet werden kann und chemisch am Dentin haftet.
- VoraussetzungSmear Layer
Der Smear Layer muss durch milde Säurekonditionierung modifiziert werden, um die Carboxylatgruppen des GIZ an das Calcium des Dentins zu binden.
- FolgeFluoridierung
Durch die Freisetzung von Fluoridionen trägt GIZ zur Reminiszenz des angrenzenden Schmelzes bei und lässt sich durch externe Fluoridgabe wieder aufladen.
- TherapieGlasionomerzement
Aufgrund seiner Biokompatibilität und thermischen Isolationsfähigkeit dient GIZ häufig als Unterfüllungsmaterial unter Komposit- oder Amalgamrestaurationen.
Zemente, Amalgam, Keramik und ihre Indikationen.