White-Spot-Läsionen nach kieferorthopädischer Behandlung
Synonyme: Entkalkungen nach Multiband · Initialkaries nach KFO
White-Spot-Läsionen sind kreidig-weiße Initialläsionen mit intakter Oberfläche, die im Umfeld festsitzender Apparaturen entstehen. Der Bracketumfang bietet Retentionsnischen, in denen sich Biofilm über Monate ungestört anreichert. Sie zeigen sich typischerweise als halbmondförmige Areale zervikal und um die Bracketbasis herum, sobald die Apparatur entfernt wird.
- Die Oberfläche der Läsion ist intakt; darunter liegt ein poröser Läsionskörper.
- Sichtbarkeit entsteht durch den unterschiedlichen Brechungsindex zwischen porösem und gesundem Schmelz.
- Die Schmelzinfiltration füllt die Poren mit Kunststoff (Brechungsindex ca. 1,52) und gleicht ihn dem Schmelz (ca. 1,62) an.
- Remineralisierende Maßnahmen sollten über mehrere Monate vor invasiven Schritten stehen.
- Brechungsindex gesunder Schmelz
- ca. 1,62
- Brechungsindex Infiltrationskunststoff
- ca. 1,52
- Empfohlene Remineralisationsphase
- ca. 3–6 Monate
Die erste Maßnahme ist Remineralisation mit Fluorid und gegebenenfalls Calciumphosphat über mehrere Monate; erst danach werden ästhetische Verfahren erwogen. Die Schmelzinfiltration mit niedrigviskosem Kunststoff gleicht den Brechungsindex an und lässt die Läsion optisch weitgehend verschwinden. Ein Bleichen verstärkt den Kontrast häufig zunächst.
- Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH)
Scharf begrenzte gelb-braune Opazitäten an ersten Molaren und Inzisivi, unabhängig von Apparaturen.
- Fluorose
Symmetrisch und generalisiert, entsteht während der Schmelzbildung durch überhöhte Fluoridzufuhr.
- Sofortige Infiltration ohne vorherige Remineralisationsphase.
- Bleichen als erste Maßnahme, wodurch der Kontrast zunächst zunimmt.
- Verwechslung mit Fluorose oder MIH, die eine andere Ätiologie und Prognose haben.
Erst Monate remineralisieren, dann infiltrieren – und nicht mit Bleichen anfangen.
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Infiltration und Mikroabrasion ohne Substanzverlust.