ZahnLexikon
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Oralchirurgie
geprüft
Odontogene Infektionen

Abszess

Synonyme: Eiteransammlung · Eiterhöhle

Definition

Ein Abszess ist eine abgekapselte, eitrige Gewebeeinschmelzung in einer nicht vorgebildeten Gewebehöhle, die meist durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Im Kiefer-Gesichts-Bereich entsteht er häufig als Folge einer odontogenen Infektion, ausgehend von periapikalen oder parodontalen Läsionen. Diagnostisch zeichnet er sich durch die klassischen Entzündungszeichen sowie Fluktuation aus.

Prüfungsfokus
  • Die wichtigste Therapiemaßnahme eines Abszesses ist die Kausaltherapie in Kombination mit chirurgischer Inzision und Drainage.
  • Das leitende klinische Symptom eines ausgereiften Abszesses ist die palpables Fluktuation.
  • Im entzündeten Abszessgewebe ist die Wirkung von Lokalanästhetika aufgrund des niedrigen pH-Werts stark herabgesetzt.
  • Bei Abszessen im Unterkieferbereich droht der Einbruch in die tiefen Halslogen mit der Gefahr einer Atemwegsverlegung.
  • Eine Begleitantibiotikotherapie ist nur bei systemischen Infektionszeichen, Ausbreitungstendenz oder Immunsuppression indiziert.
Zahlen & Werte
Gewebe-pH im Abszessgewebe
< 6,0
Standarddosis Amoxicillin (p.o. bei Erwachsenen)
1000 mg alle 8 Stunden
Standarddosis Clindamycin (p.o. bei Penicillinallergie)
600 mg alle 8 Stunden
Liegedauer einer Gummi- oder Silikondrainage
24–48 Stunden
Klinische Relevanz

Die Therapie erfordert die umgehende chirurgische Inzision, Exzision oder Eröffnung der Ursache (z. B. Trepanation des Gens-Zahns) sowie eine adäquate Drainage. Unbehandelt drohen schwerwiegende Komplikationen wie Logenabszesse, Phlegmonen oder eine Thrombose des Sinus cavernosus. Eine Begleitantibiotikotherapie ist bei systemischer Beteiligung oder diffuser Ausbreitung indiziert.

Abgrenzung
  • Phlegmone

    Eine Phlegmone ist eine diffuse, unscharf begrenzte eitrige Entzündung im Bindegewebe ohne Abkapselung, während der Abszess abgekapselt und fluktuierend ist.

  • Empyem

    Ein Empyem bezeichnet eine Eiteransammlung in einer bereits anatomisch vorgebildeten Höhle, wohingegen ein Abszess in einer neu entstandenen Gewebehöhle liegt.

  • Radikuläre Zyste

    Eine radikuläre Zyste ist primär ein epithelbegrenzter, flüssigkeitsgefüllter Hohlraum, der erst bei einer Sekundärinfektion fluktuierend und schmerzhaft wie ein Abszess wird.

Typische Fallstricke
  • Ausschließliche Gabe von Antibiotika ohne chirurgische Inzision und Ursachenbehebung.
  • Injektion des Lokalanästhetikums direkt in das Abszessareal, was zur Keimverschleppung und Anästhesieversagen führt.
  • Fehlende Unterscheidung zwischen Abszess und Phlegmone, da eine Phlegmone chirurgisch primär nicht durch einfache Inzision entlastet werden kann.
Merksatz

Wo Eiter ist, dort entleere ihn – Ubi pus, ibi evacua.

Bilder & Videos

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