Radikuläre Zyste
Synonyme: Entzündliche Kieferzyste
Die radikuläre Zyste ist die häufigste odontogene Zyste des Kiefers und entsteht als Folge einer chronischen apikalen Parodontitis an der Wurzelspitze eines avitalen Zahnes. Sie zeichnet sich durch einen epithelial ausgetapezierten Hohlraum aus, der durch osmotischen Druck langsam expandiert.
- Die radikuläre Zyste ist die häufigste odontogene Zyste des Kiefers und setzt zwingend einen avitalen Ursprungszahn voraus.
- Die Entstehung geht auf die Stimulation der Malassez-Epithelreste im Desmodont durch chronisch-entzündliche Reize zurück.
- Histologisch zeigt sich ein mehrschichtiges unverhorntes Plattenepithel, häufig mit Rushton-Körperchen und Cholesterinkristall-Aussparungen.
- Im Röntgenbild stellt sie sich als scharf begrenzte, runde bis ovale Radioluzenz mit sklerotischem Randsaum an der Wurzelspitze dar.
- Bei fortgeschrittenem Knochenabbau kann klinisch ein Pergamentknirschen (Dupuytren-Phänomen) tastbar sein.
- Anteil an allen odontogenen Kieferzysten
- ca. 50-70 %
- Häufigkeitsgipfel
- 3. bis 5. Lebensdekade
- Röntgenologische Richtgröße Zyste vs. Granulom
- > 10 mm Durchmesser
Die Therapie erfolgt chirurgisch mittels Zystektomie (Partsch II) oder Zystostomie (Partsch I) unter Beseitigung der Ursache durch Endodontie oder Extraktion. Das gewonnene Gewebe muss stets histopathologisch zur Befundsicherung untersucht werden.
- Apikales Granulom
Besteht aus Granulationsgewebe ohne epitheliale Zystenhöhle und zeigt meist eine geringere Größenprogression.
- Ameloblastom
Ist ein lokal invasiver, echter odontogener Tumor, der auch an vitalen Zähnen auftritt und hohe Rezidivraten zeigt.
- Follikuläre Zyste
Umschließt die Krone eines retinierten Zahnes an der Schmelz-Zement-Grenze und geht nicht von der Wurzelspitze aus.
- Verwechslung mit einem apikalen Granulom, da beide röntgenologisch radioluzent sind und erst die Histologie die definitive Auskleidung nachweist.
- Fehlinterpretation einer Keratozyste oder eines Ameloblastoms als radikuläre Zyste bei unterlassener Vitalitätsprüfung der Nachbarzähne.
- Durchführung einer chirurgischen Zystenbehandlung ohne Beseitigung der endodontischen Ursache des auslösenden Zahnes.
Avitaler Zahn plus Epithel ergibt die Zyste auf der Stelle.
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- DiagnostikSensibilitätsprüfung
Die Sensibilitätsprüfung ist essenziell, da der Ursprungszahn einer radikulären Zyste stets avital reagiert.
- VoraussetzungPulpanekrose
Die Pulpanekrose führt zur chronischen apikalen Parodontitis, welche die Proliferation der Malassez-Epithelreste auslöst.
- TherapieZystektomie
Die Zystektomie nach Partsch II beschreibt die vollständige Enukleation des Zystenbalgs im gesunden Knochen.
- TherapieWurzelspitzenresektion
Die Wurzelspitzenresektion wird häufig mit der Zystenentfernung kombiniert, um den kausalen Zahn zu erhalten.
- DiagnostikOrthopantomogramm
Das Orthopantomogramm dient der Übersicht und Beurteilung der räumlichen Ausdehnung der scharf begrenzten Radioluzenz.
Odontogene Zysten, benigne und maligne Läsionen.