ZahnLexikon
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Pharmakologie
geprüft
Lokalanästhetika

Lidocain

Synonyme: Lignocain

Definition

Lidocain ist ein Lokalanästhetikum vom Säureamid-Typ mit mittlerer Wirkdauer und raschem Wirkungseintritt. Es blockiert reversibel spannungsabhängige Natriumkanäle an den Nervenfasern und verhindert so die Entstehung und Weiterleitung von Schmerzimpulsen. Zudem wird es systemisch als Antiarrhythmikum der Klasse Ib eingesetzt.

Prüfungsfokus
  • Lidocain ist ein Lokalanästhetikum vom Säureamid-Typ und gilt international als Referenzsubstanz sowie als Mittel der Wahl in der Schwangerschaft.
  • Der Wirkmechanismus beruht auf der reversiblen Blockade spannungsabhängiger Na+-Kanäle von innen an der Nervenmembran.
  • Der Abbau erfolgt primär hepatisch über das Cytochrom-P450-System (CYP1A2 und CYP3A4).
  • Bei einer ZNS-Toxizität treten primär präkonvulsive Symptome wie periorale Parästhesien, Schwindel und Unruhe auf, bevor es zu Krämpfen kommt.
  • Systemisch wird Lidocain als Antiarrhythmikum der Klasse Ib zur Behandlung ventrikulärer Herzrhythmusstörungen eingesetzt.
Zahlen & Werte
Maximaldosis ohne Adrenalin
4,4 mg/kg KG (max. 300 mg)
Maximaldosis mit Adrenalin
7,0 mg/kg KG (max. 500 mg)
Wirkungseintritt (Infiltration)
1–3 Minuten
Plasmahalbwertszeit
ca. 90–120 Minuten
Klinische Relevanz

Lidocain ist der Goldstandard in der zahnärztlichen Lokalanästhesie bei Schwangeren (Kategorie B). Es wird meist mit Adrenalin-Zusatz (1:100.000 oder 1:200.000) verwendet, um die Wirkdauer zu verlängern und die systemische Toxizität zu reduzieren. Die maximale Dosis ohne Vasokonstringenz-Zusatz liegt bei 4,4 mg/kg Körpergewicht.

Abgrenzung
  • Articain

    Articain besitzt zusätzlich eine Estergruppe für den raschen Plasmaabbau durch Esterasen, wohingegen Lidocain rein hepatisch metabolisiert wird.

  • Mepivacain

    Mepivacain zeigt eine geringere Eigendilatation der Gefäße als Lidocain und wird daher bevorzugt ohne Vasokonstriktor angewendet.

  • Bupivacain

    Bupivacain weist eine deutlich längere Wirkdauer und eine höhere Kardiotoxizität auf als Lidocain.

Typische Fallstricke
  • Verwechslung der Maximaldosen von Lidocain ohne Vasokonstriktor (4,4 mg/kg KG) mit Articain (7 mg/kg KG mit Adrenalin).
  • Unterschätzung des akkumulativen Risikos bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz aufgrund des rein hepatischen Abbaus.
  • Annahme, dass Lidocain auch bei entzündlich verändertem Gewebe (saurem pH-Wert) uneingeschränkt wirkt; die lipophile Wirkform liegt dort vermindert vor.
Merksatz

Lidocain – das Mittel der Wahl für Mutter und Kind beim Zahnarzt.

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Zusammenhänge
Teil von: Lokalanästhetika

Wirkstoffe, Vasokonstriktoren und Höchstdosen.