Medikamentenassoziierte Kiefernekrose
Synonyme: MRONJ · ONJ · BRONJ
Die medikamentenassoziierte Kiefernekrose ist eine schwere unerwünschte Arzneimittelwirkung antiresorptiver oder antiangiogenetischer Substanzen, die durch frei liegenden Knochen im Kieferbereich charakterisiert ist. Die Diagnose setzt voraus, dass der freiliegende Knochen über mehr als 8 Wochen besteht und keine Bestrahlung der Kieferregion vorlag. Typischer Auslöser ist ein zahnärztlich-chirurgischer Eingriff wie eine Zahnextraktion.
- Diagnostisches Hauptkriterium ist frei liegender Knochen im Maxillofazialbereich seit mindestens 8 Wochen ohne vorausgegangene Strahlentherapie.
- Auslösende Substanzen sind vor allem Bisphosphonate, Denosumab sowie antiangiogenetische Antikörper wie Bevacizumab.
- Prophylaktische Gebiss-Sanierung vor Beginn einer Antiresorptivatherapie senkt das MRONJ-Risiko signifikant.
- Ein hohes Risiko besteht vor allem bei iv-Gabe von Antiresorptiva in der Onkologie im Vergleich zu oraler Gabe bei Osteoporose.
- Chirurgische Eingriffe während der Antiresorptivatherapie erfordern ein plastisches, speicheldichtes Wundverschließen unter perioperativer Antibiotikaprophylaxe.
- Mindestdauer des freiliegenden Knochens für Diagnose
- 8 Wochen
- Stadieneinteilung nach AAOMS / S3-Leitlinie
- Stadium 0 bis 3
- Risikoreduktion durch prophylaktische Zahnsanierung
- bis zu 50 %
Klinisch zeigen sich freiliegender, avaskulärer Knochen, Schleimhautulzerationen, Schmerzen sowie sekundäre Infektionen. Die Prävention durch fokussanierende Maßnahmen vor antiresorptiver Therapie ist der wichtigste klinische Schritt.
- Radioosteonektrose
Voraussetzung für die Radioosteonektrose ist eine abgelaufene Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich, die bei der MRONJ explizit ausgeschlossen sein muss.
- Alveolitis sicca
Die Alveolitis sicca ist eine postoperative Wundheilungsstörung nach Zahnentfernung ohne chronisch freiliegenden Knochen über 8 Wochen oder antiresorptive Medikation.
- Osteomyelitis
Die klassische bakterielle Osteomyelitis zeigt primär medulläre Knochendestruktion ohne zwingend dauerhaft freiliegenden avaskulären Knochen im Kieferbereich.
- Verwechslung der MRONJ mit einer primären Osteomyelitis oder Alveolitis sicca ohne Beachtung der Anamnese antiresorptiver Medikation.
- Irrige Annahme, dass nur Bisphosphonate eine Kiefernekrose verursachen können, während RANKL-Inhibitoren wie Denosumab ein ähnlich hohes Risiko aufweisen.
- Übersehen der notwendigen 8-Wochen-Frist für den frei liegenden Knochen bei der Erstdiagnostik.
Acht Wochen freier Knochen ohne Strahlentherapie deutet auf Kiefernekrose hin.
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- VoraussetzungBisphosphonate
Bisphosphonate hemmen die Osteoklastenaktivität kumulativ und stellen die häufigste Substanzklasse als Ursache einer MRONJ dar.
- VoraussetzungDenosumab
Denosumab ist ein RANKL-Inhibitor, der die Osteoklastendifferenzierung hemmt und ebenfalls ein hohes Risiko für MRONJ aufweist.
- TherapieAmoxicillin
Amoxicillin wird zur perioperativen Infektionsprophylaxe bei notwendigen chirurgischen Eingriffen unter Antiresorptivatherapie eingesetzt.
- DiagnostikDigitale Volumentomographie
Die Digitale Volumentomographie dient der genauen dreidimensionalen Beurteilung des Ausmaßes der Knochendestruktion und Sequestrierung.
Relevante Wechselwirkungen und orale Nebenwirkungen.