Alveolitis sicca
Synonyme: Dry Socket · Dolor post extractionem · Fibrinolytische Alveolitis
Die Alveolitis sicca ist eine schmerzhafte Wundheilungsstörung nach Zahnextraktion, die durch den vorzeitigen Verlust oder den Zerfall des Blutkoagulum verursacht wird. Es kommt dadurch zu einer Exposition der sensibel innervierten Knochenwände des leeren Zahnfachs. Häufig tritt sie im Unterkieferseitenzahnbereich bei Rauchern oder unter oralen Kontrazeptiva auf.
- Die Alveolitis sicca manifestiert sich typischerweise am 2. bis 4. postoperativen Tag mit heftigen, ausstrahlenden Schmerzen.
- Ursache ist die Fibrinolyse oder der mechanische Verlust des Blutkoagulum mit konsekutiver Exposition des Alveolarknochens.
- Zu den Hauptrisikofaktoren zählen Rauchen, orale Kontrazeptiva, weibliches Geschlecht sowie Traumata bei Unterkiefer-Extraktionen.
- Die Therapie erfolgt rein lokal-symptomatisch durch vorsichtiges Ausspülen und das Einbringen schmerzlindernder, antiseptischer Einlagen.
- Ein erneutes Auskratzen der Alveole mit dem scharfen Löffel ist kontraindiziert, da dies die Erreger tiefer in den Knochen verschleppen kann.
- Inzidenz nach Standardextraktion
- 1–5 %
- Inzidenz nach Weisheitszahnosteotomie UK
- 10–30 %
- Klinisches Auftreten postoperativ
- 2–4 Tage
Nach vorsichtiger Wundspülung ohne erneutes Auskratzen wird eine schmerzlindernde, antiseptische Einlage in die Alveole eingebracht. Eine systemische Antibiotikagabe ist in der Regel nicht indiziert, solange keine Ausbreitungssymptome vorliegen.
- Abszess
Im Gegensatz zur Alveolitis sicca zeigt ein Abszess eine eitrige Gewebeeinschmelzung mit Fluktuation und häufig systemischen Entzündungszeichen.
- Medikamentenassoziierte Kiefernekrose
Kennzeichnet sich durch freiliegenden Knochen über mehr als 8 Wochen unter Antiresorptiva-Therapie im Gegensatz zur akuten, passageren Wundheilungsstörung.
- Auskratzen der Alveole zur Anregung einer erneuten Blutung, was zu schwerwiegenden Knochennekrosen und Keimverschleppung führen kann.
- Indikation zur routinehaften systemischen Antibiotikagabe ohne Vorliegen von Ausbreitungs- oder Allgemeinsymptomen.
Kein Koagulum im Fach macht Schmerz und Gewebe schwach.
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- TherapieChlorhexidin
Dient als antiseptische Spüllösung zur Reduktion der Keimzahl in der leeren Alveole.
- TherapieIbuprofen
Wird als First-Line-Analgetikum zur systemischen Schmerztherapie eingesetzt.
- VoraussetzungOsteotomie
Chirurgische Traumatisierung und thermische Belastung des Knochens erhöhen das Risiko für den Zerfall des Koagulum.
- AbgrenzungMedikamentenassoziierte Kiefernekrose
Wichtige Differenzialdiagnose bei ausbleibender sekundärer Wundheilung und freiliegendem Knochen.
Nachblutung, Alveolitis, MAV und Nervläsionen.