ZahnLexikon
← Zurück zum Lexikon
Prothetik
geprüft
Festsitzender Zahnersatz

Vollkeramik

Synonyme: Metallfreie Keramik · Ganzkeramik

Definition

Vollkeramik bezeichnet metallfreien Zahnersatz, der ausschließlich aus anorganischen, nichtmetallischen Werkstoffen gefertigt wird. Man unterscheidet im Wesentlichen Silikatkeramiken (z. B. Feldspat- oder Lithiumdisilikatkeramik) von Oxidkeramiken (z. B. Zirkonoxid). Sie zeichnet sich durch hohe Biokompatibilität und exzellente Ästhetik aus.

Prüfungsfokus
  • Silikatkeramiken wie Lithiumdisilikat erfordern für eine hohe Festigkeit die Säure-Ätz-Technik mit Flusssäure und Silanisierung vor der adhäsiven Befestigung.
  • Oxidkeramiken wie Zirkonoxid zeichnen sich durch hohe Biegefestigkeit aus, können jedoch nicht klassisch geätzt werden und werden meist konventionell zementiert oder mittels MDP-Monomer-Primer befestigt.
  • Feder- oder Messerrandpräparationen sind bei Vollkeramik kontraindiziert, da sie zu Ausbrüchen an den Keramikrändern führen.
  • Bei der Präparation müssen alle Innenkanten abgerundet werden, um Kerbspannungen und Rissausbreitung im Material zu vermeiden.
  • Das Phänomen der Umwandlungsverstärkung tritt spezifisch bei yttriumstabilisiertem Zirkonoxid auf und hemmt die Rissausbreitung.
Zahlen & Werte
Min. Schichtstärke Lithiumdisilikat-Krone
1,0 - 1,5 mm
Biegefestigkeit Zirkonoxid (3Y-TZP)
900 - 1200 MPa
Biegefestigkeit Lithiumdisilikat
350 - 500 MPa
Flusssäure-Ätzzeit Lithiumdisilikat (5% HF)
20 Sekunden
Klinische Relevanz

Die Präparation erfordert abgerundete Stufen- oder Hohlkehlpräparationen ohne scharfe Kanten, um Spannungsspitzen im Material zu vermeiden. Die Befestigung erfolgt je nach Keramikart adhäsiv mit Komposit oder konventionell mit Zement. Aufgrund des fehlenden Metallgerüsts wird eine herausragende Lichtdynamik und Weichgewebeverträglichkeit erreicht.

Abgrenzung
  • Metallkeramik (VMK)

    Metallkeramik besitzt ein gerüstgebendes Metallkäppchen mit opaker Blendschicht, während Vollkeramik vollständig metallfrei ist und eine deutlich höhere Lichtdynamik bietet.

  • Silikatkeramik

    Silikatkeramiken enthalten eine Glasphase und sind ätzbar, wohingegen glasphasenfreie Oxidkeramiken höhere Festigkeiten aufweisen, aber nicht durch Ätzen konditioniert werden können.

Typische Fallstricke
  • Versuch des Anätzens von Zirkonoxid mit Flusssäure, obwohl Oxidkeramiken keine Glasphase enthalten und dadurch kein Ätzmuster entsteht.
  • Präparation mit scharfen Innenkanten oder tangentialen Präparationsrändern, was zu frühzeitigen Frakturen der vollkeramischen Restauration führt.
  • Unterschreitung der materialspezifischen Mindestschichtstärke bei der Kronenpräparation, wodurch das Frakturrisiko unter Belastung drastisch steigt.
Merksatz

Vollkeramik: Null Metall, volle Ästhetik.

Bilder & Videos

Medien werden gesucht …

Zusammenhänge
Teil von: Festsitzender Zahnersatz

Kronen, Brücken, Präparation und Zementierung.