Antiseptika
Synonyme: Lokalantiseptika · Desinfektionsmittel
Antiseptika sind chemische Substanzen, die lokal auf lebenden Geweben wie Haut oder Schleimhaut angewendet werden, um Erreger abzutöten oder deren Wachstum zu hemmen. Im Gegensatz zu Antibiotika wirken sie weitgehend unspezifisch gegen ein breites Spektrum von Mikroorganismen. In der Zahnmedizin dienen sie der Reduktion der oralen Keimzahl.
- Antiseptika wirken im Gegensatz zu Antibiotika weitgehend unspezifisch zellschädigend auf ein breites Spektrum von Erregern, ohne klassische Resistenzen zu induzieren.
- Chlorhexidindigluconat gilt aufgrund seiner hohen Substantivität durch Bindung an orale Oberflächen und verzögerte Freisetzung als Goldstandard der oralen Antiseptika.
- Antiseptische Mundspüllösungen besitzen eine geringe Penetrationstiefe in reife Biofilme und erfordern daher stets eine vorherige mechanische Reorganisation oder Entfernung der Plaque.
- Die Langzeitanwendung von Kationen-aktiven Antiseptika wie Chlorhexidin führt zu reversiblen Geschmacksstörungen, Epitheldesquamation und irreversiblen Zahnverfärbungen.
- Die Wirkung von Chlorhexidin wird durch Anionen wie Natriumlaurylsulfat in Zahnpasten sowie durch organisches Material wie Blut und Speichel inaktiviert.
- Standardkonzentration von Chlorhexidindigluconat (CHX) zur präoperativen Mundspülung
- 0,2 %
- Substantivität (Wirkdauer durch Gewebebindung) von Chlorhexidin im Mundraum
- 8-12 Stunden
- Empfohlene Anwendungsdauer hochkonzentrierter CHX-Lösungen zur Vermeidung von Nebenwirkungen
- max. 14 Tage
- Einwirkzeit für eine effektive präoperative Keimzahlreduktion mit CHX-Spülung
- 60 Sekunden
Lokal antiseptische Spüllösungen wie Chlorhexidindigluconat (CHX) werden unterstützend bei parodontalen Eingriffen, postoperativ bei reduzierter Mundhygienefähigkeit oder zur Keimzahlreduktion vor Eingriffen eingesetzt. Aufgrund von Nebenwirkungen wie Zahnverfärbungen, Geschmacksstörungen und Epithelablösungen sollte die Anwendung in der Regel zeitlich begrenzt erfolgen. Antiseptika ersetzen niemals die mechanische Biofilmentfernung.
- Antibiotika
Antibiotika wirken spezifisch auf bakterielle Strukturen oder Stoffwechselwege und werden meist systemisch angewendet, während Antiseptika unspezifisch zellschädigend und rein lokal wirken.
- Desinfektionsmittel
Desinfektionsmittel sind chemische Substanzen zur Entkeimung von unbelebten Objekten und Flächen, während Antiseptika für die Anwendung an lebenden Geweben formuliert sind.
- Astringenzien
Astringenzien bewirken eine Proteinausfällung zur Gewebeverdichtung und Blutstillung, während Antiseptika primär die Abtötung oder Wachstumshemmung von Mikroorganismen anstreben.
- Verwechslung von Antiseptika mit Desinfektionsmitteln, welche ausschließlich für die Keimreduktion auf inanimierten Oberflächen und Medizinprodukten zugelassen sind.
- Die fehlerhafte Annahme, dass antiseptische Spülungen eine mechanische Biofilmentfernung mittels Hand- oder Ultraschallinstrumenten ersetzen können.
- Die direkte Anwendung von Chlorhexidin-Mundspülungen unmittelbar nach dem Zähneputzen mit tensidhaltiger Zahnpasta, was zur Wirkungsverlust durch Ausfällung führt.
Antiseptika wirken lokal und breit, aber ersetzen nicht das mechanische Clean.
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- VerwandtChlorhexidin
Chlorhexidin ist das am häufigsten eingesetzte und am besten dokumentierte orale Antiseptikum in der Zahnmedizin.
- AbgrenzungBiofilm
Ein strukturierter Biofilm schützt Mikroorganismen vor Antiseptika, weshalb eine mechanische Biofilmentfernung der Antiseptik vorausgehen muss.
- TherapieNatriumhypochlorit
Natriumhypochlorit ist das primär eingesetzte Gewebe lösend antiseptische Spülmittel im Rahmen der chemomechanischen Wurzelkanalaufbereitung.
- TherapieUnterstützende Parodontaltherapie
Antiseptika werden im Rahmen der UPT adjuvant eingesetzt, wenn die häusliche mechanische Plaquekontrolle vorübergehend eingeschränkt ist.
Chlorhexidin, Fluoride und lokale Wirkstoffträger.