Natriumhypochlorit
Synonyme: NaOCl
Natriumhypochlorit ist die primäre Spüllösung in der Endodontie mit stark gewebeauflösender und breiter antimikrobieller Wirkung. Es wirkt effektiv gegen Planktonbakterien sowie Biofilme und löst organische Bestandteile auf. Die üblicherweise genutzten Konzentrationen liegen zwischen 1 und 5,25 Prozent.
- Natriumhypochlorit (NaOCl) ist die einzige endodontische Spüllösung, die sowohl antiseptisch wirkt als auch nekrotisches und vitales organisches Gewebe auflöst.
- Die Gewebeauflösung und die antibakterielle Wirksamkeit von NaOCl steigen mit höherer Konzentration, Temperaturerhöhung sowie Erneuerungsfrequenz.
- NaOCl entfernt nur die organischen Anteile der Schmierschicht (Smear Layer) und muss zur vollständigen Kanalreinigung mit einem Chelatbildner wie EDTA kombiniert werden.
- Bei direkter Vermischung von NaOCl mit Chlorhexidin entsteht ein brauner, toxischer Niederschlag aus Parachloranilin (PCA).
- Ein iatrogener NaOCl-Unfall führt durch Gewebsnekrose zu schlagartigen Schmerzen und ausgeprägten Hämatomen im periapikalen Gewebe.
- Übliche Konzentration in der Endodontie
- 1 % - 5,25 %
- pH-Wert handelsüblicher NaOCl-Lösungen
- 11 - 12
- Empfohlene Temperatur zur Wirksamkeitssteigerung
- 45 °C - 50 °C
NaOCl muss während der Aufbereitung kontinuierlich erneuert und idealerweise ultraschallaktiviert werden. Ein versehentlicher NaOCl-Unfall im Gewebe führt zu Gewebsnekrosen und erfordert sofortiges Handeln.
- Chlorhexidin
CHX besitzt zwar eine hohe Substantivität und antibakterielle Wirkung, weist jedoch keinerlei gewebeauflösende Eigenschaften auf.
- EDTA
EDTA ist ein Chelatbildner zur Entfernung anorganischer Dentinbestandteile, besitzt aber im Gegensatz zu NaOCl keine gewebeauflösende Potenz.
- Annahme, NaOCl könne den Smear Layer alleine entfernen: NaOCl löst zwar die organische Matrix, lässt aber den anorganischen Anteil unberührt.
- Unmittelbares Nachspülen von NaOCl mit CHX ohne Zwischenspülung mit Kochsalzlösung oder destilliertem Wasser führt zur PCA-Präzipitatbildung.
- Injektion von NaOCl unter hohem Druck oder mit verklemmter Kanüle begünstigt das Überpressen ins periapikale Gewebe.
NaOCl löst organisches Gewebe auf und desinfiziert das Wurzelsystem.
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- TherapieSmear Layer
NaOCl löst die organische Matrix des Smear Layer auf, während der anorganische Anteil durch Chelatbildner entfernt wird.
- VoraussetzungUltraschallaktivierung
Die Ultraschallaktivierung steigert die Penetration, Erwärmung und gewebeauflösende Dynamik von NaOCl im Wurzelkanalsystem.
- FolgeNaOCl-Unfall
Bei unkontrollierter Extrusion von NaOCl über den Foramen physiologicum hinaus kommt es zu einer zelltoxischen Gewebsnekrose.
- VoraussetzungKofferdam
Der Einsatz von Kofferdam ist beim Arbeiten mit NaOCl zum Schutz der Mundschleimhaut und vor Aspiration zwingend erforderlich.
- VerwandtCalciumhydroxid
Nach gründlicher chemomechanischer Desinfektion mit NaOCl wird Calciumhydroxid als antibakterielle Zwischeneinlage eingebracht.
Spüllösungen, Chelatoren und Aktivierung zur Keimreduktion.