ZahnLexikon
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Pharmakologie
geprüft
Antibiotika und Antiinfektiva

Antibiotika

Synonyme: Antibakterielle Wirkstoffe

Definition

Antibiotika sind niedermolekulare Stoffwechselprodukte von Mikroorganismen oder synthetisch hergestellte Substanzen, die das Wachstum von Bakterien hemmen oder diese abtöten. Sie wirken selektiv gegen prokaryotische Strukturen und Prozesse, ohne den makroorganismischen Wirt direkt zu schädigen. Der Einsatz erfolgt gezielt nach Erreger- und Resistenztestung oder kalkuliert als Breitbandtherapie.

Prüfungsfokus
  • Die Indikation für systemische Antibiotika in der Zahnmedizin erfordert zwingend Allgemeinsymptome oder eine progressive Ausbreitung der odontogenen Infektion.
  • Amoxicillin ist das Mittel der 1. Wahl bei odontogenen Infektionen, während bei einer Penicillinallergie Clindamycin zum Einsatz kommt.
  • Eine rein lokale Infektion ohne Allgemeinsymptome erfordert primär eine chirurgische Ursachenbekämpfung und keine Antibiose.
  • Die Indikation zur Endokarditisprophylaxe beschränkt sich auf Hochrisikopatienten vor blutigen zahnärztlichen Eingriffen.
  • Metronidazol deckt gezielt anaerobe Gram-negative Erreger ab und wird typischerweise kombiniert bei schweren Parodontitis-Formen eingesetzt.
Zahlen & Werte
Amoxicillin-Dosis zur Endokarditisprophylaxe (Erwachsene)
2 g p.o. (30–60 Min. vor dem Eingriff)
Clindamycin-Dosis bei Penicillinallergie (Endokarditisprophylaxe)
600 mg p.o. (30–60 Min. vor dem Eingriff)
Standard-Tagesdosis Amoxicillin bei odontogener Infektion
1,5 bis 3 g täglich in 3 Einzelgaben
Klinische Relevanz

Die Indikation für Antibiotika in der Zahnmedizin beschränkt sich im Wesentlichen auf eitrige, sich ausbreitende Infektionen mit systemischer Beteiligung sowie die Endokarditisprophylaxe. Eine rein lokale Infektion ohne Allgemeinsymptome erfordert primär eine chirurgische Ursachenbekämpfung und keine Antibiose. Erste Wahl bei odontogenen Infektionen ist in der Regel Amoxicillin, gegebenenfalls kombiniert mit einem Beta-Laktamase-Inhibitor.

Abgrenzung
  • Antiseptika

    Antiseptika wirken lokal und unspezifisch zytotoxisch auf Oberflächen, während Antibiotika spezifische prokaryotische Zellstrukturen systemisch oder lokal hemmen.

  • Analgetika

    Analgetika hemmen die Schmerzwahrnehmung oder Entzündungskaskade, bekämpfen jedoch im Gegensatz zu Antibiotika nicht die mikrobielle Ursache.

Typische Fallstricke
  • Antibiotikagabe als Ersatz für eine notwendige chirurgische Sanierung wie Inzision oder Trepanation einzusetzen.
  • Kombination von bakterizid und bakteriostatisch wirkenden Antibiotika ohne Berücksichtigung ihrer antagonistischen Effekte.
  • Fehlerhafte Verordnung einer Endokarditisprophylaxe bei Patienten mit nur mittlerem oder geringem Risiko.
Merksatz

Chirurgische Ursachenbehebung geht vor systemischer Antibiose.

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Zusammenhänge
Teil von: Antibiotika und Antiinfektiva

Indikationen, Wirkspektren und Prophylaxe.