Schmelz
Synonyme: Enamelum · Zahnschmelz
Zahnschmelz ist das azelluläre, hochmineralisierte Hartgewebe, das die Zahnkrone bedeckt. Er besteht zu ca. 95 Gew.-% aus anorganischem Hydroxylapatit sowie zu geringen Anteilen aus Wasser und organischer Matrix. Mazerierter Schmelz weist eine charakteristische Prismenstruktur auf, die von Ameloblasten während der Amelogenese gebildet wird.
- Die Schmelzätzung mit 35-37%iger Phosphorsäure erzeugt ein mikromechanisches Retentionsmuster durch selektives Herauslösen von Prismenzentren oder Prismengrenzen.
- Der kritische pH-Wert für die Schmelzdemineralisation von Hydroxylapatit liegt bei ca. 5,5.
- Da Schmelz azellulär ist, besitzt er keine zelluläre Regenerationsfähigkeit und kann nur physikalisch-chemisch remineralisiert werden.
- Die Schmelzprismen verlaufen annähernd senkrecht zur Schmelz-Dentin-Grenze, was zur Vermeidung ununterstützter Prismen bei Präparationen beachtet werden muss.
- Fluoridionen lagern sich in das Gitter des Hydroxylapatits ein und bilden Fluorapatit mit einem niedrigeren kritischen pH-Wert von ca. 4,5.
- Anorganischer Gewichtsanteil
- 95 Gew.-%
- Kritischer pH-Wert Hydroxylapatit
- 5,5
- Kritischer pH-Wert Fluorapatit
- 4,5
- Ätzzeit mit Phosphorsäure (Schmelz)
- 15–30 s
- Mohs-Härte
- 5–5,5
Als härtestes Gewebe des menschlichen Körpers schützt der Schmelz das darunterliegende Dentin, besitzt jedoch keine Regenerationsfähigkeit durch Zellen. Schmelzkaries kann im Initialstadium durch Remineralisation (z. B. Fluoridierung) arretiert werden, erfordert bei Kavitation jedoch eine restaurative Therapie. Zur Verankerung von Kompositrestaurationen wird die Schmelzoberfläche mit 35-37%iger Phosphorsäure konditioniert (Säure-Ätz-Technik).
- Dentin
Dentin ist ein vitales, vaskularisiertes und innerviertes Hartgewebe mit 20 Gew.-% organischer Matrix und kontinuierlicher Bildungsfähigkeit durch Odontoblasten.
- Zement
Zement bedeckt die Zahnwurzel, ist mit ca. 50 Gew.-% Mineralgehalt deutlich weicher als Schmelz und dient als Verankerung für desmodontale Fasern.
- Inital Karies (White Spot) im Schmelz mit Remineralisationspotenzial fälschlicherweise als kavitiert einzustufen und invasiv zu präparieren.
- Ununterstützte Schmelzprismen an Kavitätenrändern belassen, was unter Kaukrafteinwirkung zu Schmelzausbrüchen und Sekundärkaries führt.
- Annahme einer zellulären Wundheilung oder Tertiär-Schmelzbildung nach Schädigung analog zum Dentin.
Schmelz ätzt man an – er wächst nie mehr ran.
Medien werden gesucht …
- TherapieSäure-Ätz-Technik
Durch das Ätzen der Schmelzoberfläche entsteht ein retentives Mikromuster für die Verankerung von Kunststoffen.
- TherapieFluoridierung
Fluoride fördern die Remineralisation des Schmelzes und senken dessen Säurelöslichkeit durch Bildung von Fluorapatit.
- AbgrenzungDentin
Schmelz schützt als spröde, hochmineralisierte Hülle das darunterliegende elastischere Dentin.
- TherapieFissurenversiegelung
Kariesprädisponierte Fissuren im Schmelz werden mittels Säure-Ätz-Technik und Versieglermaterialien präventiv verschlossen.
- VoraussetzungKariesexkavation
Brüchiger oder unterminierter Schmelz muss im Rahmen der Kariesexkavation entfernt werden, um stabile Präparationsgrenzen zu schaffen.
Entstehung, Progression und Risikobewertung der Karies.