Tertiärdentin
Synonyme: Reaktionsdentin · Reparaturdentin · Reizdentin
Tertiärdentin ist ein reaktiv gebildetes Dentin, das als Antwort auf externe Reize wie Karies, Attrition oder iatrogene Präparationstraumata von der Pulpa abgeschieden wird. Es wird unterteilt in Reaktionsdentin (gebildet von überlebenden primären Odontoblasten) und Reparaturdentin (gebildet von neu differenzierten odontoblastenähnlichen Zellen). Es unterscheidet sich histologisch durch eine unregelmäßige oder atubuläre Struktur vom primären und sekundären Dentin.
- Tertiärdentin wird streng lokalisiert als Reaktion auf fokale externe Reize an der pulpalen Grenzfläche gebildet.
- Reaktionsdentin entsteht bei milder Reizung durch bereits vorhandene, überlebende Odontoblasten.
- Reparaturdentin wird nach Absterben der primären Odontoblasten von neu differenzierten odontoblastenähnlichen Zellen synthetisiert.
- Histologisch ist Tertiärdentin durch eine unregelmäßige, röhrenarme bis atubuläre Matrixstruktur gekennzeichnet.
- Eine ausgeprägte Tertiärdentinbildung führt zur Verengung oder Obliteration des Pulpakavums.
- Appositionsrate von Tertiärdentin
- ca. 1,5 bis 3,5 µm/Tag
- pH-Wert von Calciumhydroxid zur Dentininduktion
- ca. 12,5
Tertiärdentin dient als biologischer Schutzwall des Pulpa-Dentin-Komplexes gegen thermische, chemische oder bakterielle Reize. Die Bildung kann klinisch durch die Applikation von Kalziumhydroxid oder Mineral Trioxid Aggregat (MTA) im Rahmen einer direkten oder indirekten Überkappung induziert werden. Ein erhöhtes Tertiärdentinaufkommen führt jedoch zur Obliteration des Pulpenkavums und erschwert spätere endodontische Zugänge.
- Sekundärdentin
Sekundärdentin wird zeitlebens physiologisch und gleichmäßig nach Abschluss des Wurzelwachstums ohne externen Reiz gebildet.
- Sklerotisches Dentin
Sklerotisches Dentin entsteht durch intratubuläre Mineralausfällung in bestehenden Dentinkanälchen, nicht durch Neuapposition an der Pulpawand.
- Verwechslung von Reaktions- und Reparaturdentin: Nur für Reparaturdentin müssen Stammzellen zu odontoblastenähnlichen Zellen differenzieren.
- Gleichsetzung mit Sekundärdentin: Sekundärdentin wird physiologisch und kontinuierlich nach Abschluss des Wurzelwachstums gebildet, Tertiärdentin ausschließlich reaktiv.
- Irrtum bezüglich der Permeabilität: Tertiärdentin ist aufgrund der atubulären Struktur deutlich weniger permeabel als Primärdentin und bietet biologischen Schutz.
Tertiärdentin reagiert flexibel auf Reiz und Schadensfälle.
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- TherapieCalciumhydroxid
Calciumhydroxid induziert durch seinen alkalischen pH-Wert die Abgabe von Wachstumsfaktoren und die Bildung von Tertiärdentin.
- TherapieMineral Trioxid Aggregat
MTA regt als biokompatibles Material die Synthese einer dichten Tertiärdentinbrücke an.
- TherapieÜberkappung
Ziel der Überkappung ist die Induktion von Tertiärdentin zum Verschluss und Schutz der Pulpa.
- VoraussetzungKariesexkavation
Die Exkavation entfernt die Hauptursache der Reizung und schafft die Voraussetzung für eine geordnete Tertiärdentinbildung.
Entstehung, Progression und Risikobewertung der Karies.