Polypharmazie
Synonyme: Multimedikation · Vielfachmedikation
Polypharmazie bezeichnet die gleichzeitige dauerhafte Einnahme mehrerer Medikamente, häufig ab fünf Präparaten. Sie ist bei multimorbiden älteren Menschen die Regel und für die Zahnmedizin in mehrfacher Hinsicht relevant. Nebenwirkungen und Wechselwirkungen betreffen unter anderem Speichelfluss, Blutungsneigung, Knochenstoffwechsel und Wundheilung.
- Anticholinerg wirkende Medikamente vermindern den Speichelfluss und erhöhen das Kariesrisiko.
- Antiresorptiva erhöhen das Risiko einer medikamentenassoziierten Kiefernekrose nach chirurgischen Eingriffen.
- Bestimmte Antihypertensiva und Immunsuppressiva können Gingivawucherungen verursachen.
- Das eigenmächtige Absetzen von Antikoagulanzien durch den Zahnarzt ist zu vermeiden.
- Übliche Definitionsschwelle
- ab ca. 5 Dauermedikamenten
- Zahnmedizinisch kritische Gruppen
- Antikoagulanzien, Antiresorptiva, Immunsuppressiva, Anticholinergika
Eine vollständige, aktuelle Medikamentenanamnese ist vor jedem invasiven Eingriff erforderlich. Besonders zu beachten sind Antikoagulanzien, Antiresorptiva, Immunsuppressiva und Medikamente mit anticholinerger Wirkung.
- Monotherapie
Einzelmedikation mit deutlich geringerem Interaktionsrisiko.
- Selbstmedikation
Frei verkäufliche Präparate, die in der Anamnese häufig unerwähnt bleiben.
- Unvollständige Anamnese, weil Bedarfsmedikation und frei verkäufliche Präparate nicht erfragt werden.
- Absetzen gerinnungshemmender Medikamente ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt.
- Übersehen antiresorptiver Vortherapien, die Jahre zurückliegen können, aber weiterhin relevant sind.
Vier Medikamentengruppen ändern das zahnärztliche Vorgehen: Gerinnungshemmer, Antiresorptiva, Immunsuppressiva und Anticholinergika.
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Betreuungskonzepte, Multimorbidität und Polypharmazie.