ZahnLexikon
← Zurück zum Lexikon
Pharmakologie
geprüft
Antibiotika und Antiinfektiva

Azithromycin

Definition

Azithromycin ist ein Halbsynthetisches Makrolid-Antibiotikum mit breitem Wirkspektrum und bakterizider bis bakteriostatischer Wirkung durch Hemmung der bakteriellen Proteinbiosynthese. Es zeichnet sich durch eine sehr lange GewebehBW und hohe Anreicherung in Phagozyten sowie entzündetem Gewebe aus. Dies ermöglicht kurze Therapiedauern von meist drei Tagen.

Prüfungsfokus
  • Azithromycin hemmt die bakterielle Proteinbiosynthese durch selektive Bindung an die 50S-Untereinheit der Ribosomen.
  • Durch die extrem lange Gewebehalbwertszeit ist meist eine kurze dreitägige Einnahmedauer für eine mehrtägige Therapie ausreichend.
  • Der Wirkstoff reichert sich hochkonzentriert in Phagozyten an und wird gezielt im entzündeten Gewebe angereichert.
  • Eine kardiotoxische Hauptnebenwirkung ist die Verlängerung der QT-Zeit mit dem Risiko lebensbedrohlicher Torsade-de-Pointes-Arrhythmien.
  • In der Zahnmedizin wird Azithromycin als Reservemittel bei echter Penicillinallergie sowie adjuvant bei schwerer Parodontitis eingesetzt.
Zahlen & Werte
Standarddosierung (oral)
500 mg 1x täglich über 3 Tage
Gewebehalbwertszeit
68 Stunden
Ribosomale Zielstruktur
50S-Untereinheit
Klinische Relevanz

Azithromycin wird in der Zahnmedizin als Reserveantibiotikum bei schweren odontogenen Infektionen und nachgewiesener Penicillinallergie eingesetzt. Zudem zeigt es aufgrund seiner Anreicherung im parodontalen Gewebe Wirksamkeit als Adjuns bei aggressiven Parodontitisformen. Wegen des Risikos von Kardiotoxizität (QT-Zeit-Verlängerung) ist vor der Verschreibung eine strenge Indikationsprüfung erforderlich.

Abgrenzung
  • Clindamycin

    Clindamycin ist ein Lincosamid und Standard-Reservemittel bei Penicillinallergie mit hoher Knochengängigkeit, während Azithromycin ein Makrolid mit ausgeprägter Phagozyten-Anreicherung ist.

  • Amoxicillin

    Amoxicillin ist ein bakterizides Beta-Laktam-Antibiotikum erster Wahl bei odontogenen Infektionen, wogegen Azithromycin als bakteriostatisches Makrolid nur bei Allergien indiziert ist.

  • Metronidazol

    Metronidazol wirkt gezielt gegen obligat anaerobe Bakterien durch DNA-Schädigung, während Azithromycin ein breiteres Spektrum über die Hemmung der Proteinbiosynthese abdeckt.

Typische Fallstricke
  • Azithromycin ist kein Mittel der ersten Wahl bei unkomplizierten odontogenen Infektionen, sondern ein striktes Reserveantibiotikum.
  • Die kurze Einnahmedauer von 3 Tagen verleitet fälschlicherweise zu der Annahme einer zu kurzen Wirkdauer, obwohl wirksame Gewebespiegel bis zu 10 Tage anhalten.
  • Kardiale Vorerkrankungen oder die Kombination mit anderen QT-Zeit-verlängernden Arzneimitteln werden vor der Verschreibung oft unzureichend berücksichtigt.
Merksatz

Azithromycin speichert tief im Gewebe, wirkt lang und verlangt Kardiocheck.

Bilder & Videos

Medien werden gesucht …

Zusammenhänge
Teil von: Antibiotika und Antiinfektiva

Indikationen, Wirkspektren und Prophylaxe.