Bakterielle Infektion
Synonyme: Bakterielle Invasion
Eine bakterielle Infektion ist das invasive Eindringen, Vermehren und Verbleiben von pathogenen oder fakultativ pathogenen Bakterien in einem Wirtsorganismus mit nachfolgender Gewebeschädigung und Immunreaktion. Im orofazialen Bereich entstehen sie meist durch die Translokation von endogenen Plaquebakterien in tiefere Gewebeschichten. Typische Manifestationen sind Pulpitiden, Parodontitiden und Abszesse.
- Die primäre Therapie odontogener bakterieller Infektionen ist stets die chirurgische Herdsanierung und Entlastung, nicht die alleinige Antibiose.
- Amoxicillin gilt als Mittel der ersten Wahl bei der kalkulierten systemischen Antibiose odontogener Infektionen.
- Bei echter Penicillinallergie ist Clindamycin das Standard-Ausweichantibiotikum in der Zahnmedizin.
- Eine systemische Antibiose ist erst bei Ausbreitungstendenz oder Allgemeinsymptomen wie Fieber, Trismus und Lymphadenopathie indiziert.
- Odontogene Infektionen sind primär Mischinfektionen aus aeroben und anaeroben Bakterien der Mundhöhlenflora.
- Standarddosierung Amoxicillin (Erwachsene)
- 1000 mg 3x täglich oral
- Standarddosierung Clindamycin (bei Penicillinallergie)
- 600 mg 3x täglich oral
- Empfohlene Therapiedauer kalkulierte Antibiose
- 5-7 Tage
- Standarddosierung Metronidazol (Erwachsene)
- 400-500 mg 3x täglich oral
Bakterielle Infektionen der Mundhöhle erfordern primär die mechanische oder chirurgische Entlastung der Infektionsquelle, beispielsweise durch Trepanation, Inzision oder Extraktion. Systemische Beschwerden wie Fieber, Lymphknotenschwellung oder Trismus indizieren zusätzlich eine kalkulierte Antibiose. Unbehandelt können odontogene Infektionen zu lebensbedrohlichen Komplikationen wie Senkungsabszessen oder einer Phlegmone führen.
- Gingivostomatitis herpetica
Wird durch HSV-1 verursacht und zeigt multiple schmerzhafte Vesikel sowie Ulzerationen, spricht jedoch nicht auf Antibiotika an.
- Medikamentenassoziierte Kiefernekrose
Basiert primär auf einer Knochenumbaustörung unter Antiresorptiva und zeigt freiliegenden Knochen, kann sich aber sekundär bakteriell superinfizieren.
- Verordnung von Antibiotika anstelle einer zwingend erforderlichen chirurgischen Herdsanierung wie Inzision oder Trepanation.
- Unzureichende Dosierung oder zu kurze Einnahmedauer, was die Selektion resistenter Keime begünstigt.
- Fehlende Abklärung einer Penicillinallergie vor der Verschreibung von Betalaktam-Antibiotika.
Erreger rein, Entzündung da – primär chirurgisch behandeln!
Medien werden gesucht …
- TherapieAmoxicillin
Erste Wahl für die systemische kalkulierte Antibiose bei odontogenen Infektionen.
- TherapieClindamycin
Wichtigstes Ausweichantibiotikum bei kutanen oder anaphylaktischen Penicillinallergien.
- TherapieMetronidazol
Wird aufgrund der hohen Anaerobier-Wirksamkeit oft in Kombination bei schweren Infektionen eingesetzt.
- FolgeAbszess
Eine abgekapselte eitrige Gewebseinschmelzung als typische lokale Manifestation einer bakteriellen Infektion.
- VoraussetzungEndokarditisprophylaxe
Indiziert bei Risiko-Patienten vor blutigen Eingriffen zur Verhinderung einer Bakteriämie-induzierten Endokarditis.
Indikationen, Wirkspektren und Prophylaxe.