Chemo-mechanische Wurzelkanalaufbereitung
Synonyme: Kanalaufbereitung · Wurzelkanalpräparation
Die chemo-mechanische Wurzelkanalaufbereitung kombiniert die mechanische Formgebung des Kanals mittels Rotations- oder Handinstrumenten mit der chemischen Desinfektion durch Spüllösungen. Sie dient der Entfernung von infiziertem Gewebe, Debris und Biofilm sowie der Formung des Kanals für die anschließende Obturation. Kein Instrument alleine kann den komplexen Hohlraum vollständig mechanisch reinigen.
- Die chemo-mechanische Aufbereitung verbindet die instrumentelle Formgebung mit der chemischen Desinfektion des anatomisch komplexen Wurzelkanalsystems.
- Natriumhypochlorit (NaOCl) wirkt gewebelösend sowie antimikrobiell, entfernt jedoch nicht die anorganischen Bestandteile der Schmierschicht.
- EDTA dient als Chelatbildner dem Herauslösen anorganischer Dentinbestandteile und der Freilegung der Dentintubuli.
- Mechanische Instrumente erreichen aufgrund von Isthmen und ovalen Querschnitten nur etwa 40 bis 60 Prozent der Wurzelkanalwandflächen.
- Die Crown-Down-Technik reduziert das Risiko der Keim- und Debrisextrusion über den apikalen Foramenbereich.
- Standardkonzentration Natriumhypochlorit (NaOCl)
- 1–5,25 %
- Konzentration EDTA
- 15–17 %
- Empfohlene Einwirkzeit EDTA
- 1–3 min
- Dauer Ultraschallaktivierung pro Spülgang
- 20–30 s
Standardspüllösung ist Natriumhypochlorit in Konzentrationen von 1 bis 5,25 Prozent, oft kombiniert mit EDTA zur Entfernung der Schmierschicht. Eine ausreichende Einwirkzeit und kontinuierliche Nachspülung sind für den Desinfektionserfolg entscheidend.
- Rein mechanische Wurzelkanalpräparation
Erfasst anatomische Verzweigungen und Isthmen nicht, weshalb ohne chemische Spülung keine ausreichende Keimreduktion möglich ist.
- Trepanation
Bezeichnet nur die Eröffnung der Pulpenhöhle zur Darstellung der Kanaleingänge, nicht die eigentliche Kanalaufbereitung.
- Direkte Kombination von NaOCl und Chlorhexidin führt zur Ausfällung von toxischem, bräunlichem Para-Chloranilin (PCA).
- Übermäßige Einwirkzeit von EDTA (über 5 Minuten) führt zu einer ausgeprägten Erosion des Radikulärdentins.
- Spülen unter hohem Druck kann einen NaOCl-Unfall mit schwerem Gewebetrauma im Periapikalgewebe auslösen.
Mechanik formt den Kanal, Chemie eliminiert den Biofilm.
Medien werden gesucht …
- TherapieEDTA
Wird als Spüllösung eingesetzt, um die anorganische Schmierschicht nach der mechanischen Instrumentierung aufzulösen.
- FolgeSmear Layer
Die mechanische Bearbeitung der Dentinwand erzeugt diese Schmierschicht, welche die Dentintubuli verschließt und chemisch entfernt werden muss.
- TherapieCrown-Down-Technik
Beschreibt die koronal-apikale Präparationsabfolge zur Optimierung der Spülmittelpenetration und Senkung des Frakturrisikos.
- FolgeNaOCl-Unfall
Kann bei fehlerhafter Spültechnik durch Extrusion von NaOCl über den Apex ins periapikale Gewebe auftreten.
- TherapieUltraschallaktivierung
Erhöht die Reinigungs- und Desinfektionswirkung der Spüllösungen durch Akustikströmung und Kavitation.
Präparationsregeln, Exkavation und Substanzschonung.