Miller-Klassifikation
Synonyme: Miller-Klassen
Die Miller-Klassifikation aus dem Jahr 1985 teilt gingivale Rezessionen in vier Klassen (I bis IV) ein, basierend auf dem Verlauf des Rezessionsrandes zur mukogingivalen Grenze und dem Ausmaß des interdentalen Knochen- und Weichgewebeverlusts. Sie dient der klinischen Beurteilung des Vorhersagbarkeit einer chirurgischen Rezessionsdeckung.
- Die Miller-Klassifikation teilt gingivale Rezessionen anhand des Verlaufs zur mukogingivalen Grenze und des interdentalen Attachmentverlusts in vier Klassen ein.
- Klasse I und II weisen keinen interdentalen Knochen- oder Gewebeverlust auf, weshalb eine vollständige Rezessionsdeckung prognostisch erreichbar ist.
- Bei Klasse I reicht die Rezession nicht bis zur mukogingivalen Grenze, wohingegen sie bei Klasse II bis an diese heran oder darüber hinausreicht.
- Klasse III zeigt einen leichten bis mäßigen interdentalen Gewebeverlust oder eine Zahnfehlstellung, wodurch nur eine partielle Deckung vorhersehbar ist.
- Klasse IV zeichnet sich durch schweren interdentalen Attachmentverlust aus, was eine chirurgische Rezessionsdeckung prognostisch ausschließt.
- Miller Klasse I
- Kein interdentaler Gewebeverlust, Rezession vor der mukogingivalen Grenze, 100% Deckungsprognose
- Miller Klasse II
- Kein interdentaler Gewebeverlust, Rezession an/über mukogingivaler Grenze, 100% Deckungsprognose
- Miller Klasse III
- Interdentaler Gewebeverlust/Fehlstellung, Rezession an/über mukogingivaler Grenze, partielle Deckungsprognose
- Miller Klasse IV
- Schwerer interdentaler Gewebeverlust, Rezession an/über mukogingivaler Grenze, keine Deckungsprognose
Klasse I und II bieten eine günstige Prognose für eine vollständige Abdeckung der Rezession durch mukogingivalchirurgische Maßnahmen. Bei Klasse III ist meist nur eine partielle Deckung erreichbar, während Klasse IV aufgrund des interdentalen Gewebeverlusts eine vollständige Deckung ausschließt. In der modernen Parodontologie wird die Klassifikation zunehmend durch die Cairo-Klassifikation ergänzt oder ersetzt.
- Cairo-Klassifikation
Die Cairo-Klassifikation basiert primär auf dem interdentalen klinischen Attachmentniveau im Vergleich zum bukkalen Attachmentverlust (RT1-RT3) und verzichtet auf die schwer definierbare mukogingivale Grenze.
- Klinischer Attachmentverlust
Der klinische Attachmentverlust misst den Abstand von der Schmelz-Zement-Grenze zum Boden der Tasche, während die Rezession nur den freiliegenden Wurzelanteil koronal des Tascheneingangs beschreibt.
- Verwechslung der Abgrenzung von Klasse I zu II: Entscheidend ist das Erreichen oder Überschreiten der mukogingivalen Grenze und nicht die mathematische Tiefe der Rezession in Millimetern.
- Annahme, dass bei Miller-Klasse IV gar kein chirurgischer Eingriff indiziert ist: Eine vollständige Wurzeldeckung ist zwar ausgeschlossen, ein Gewinn an befestigter Gingiva zur Gewebestabilisierung ist jedoch weiterhin möglich.
- Außerachtlassen der Zahnposition: Eine fehlstehende Zahnposition kann die Einstufung direkt in Klasse III oder IV verschieben, selbst wenn der interdentale Knochen weitgehend intakt ist.
Miller I und II: Deckung möglich; Miller III und IV: Interdentalverlust begrenzt den Erfolg.
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- DiagnostikGingivarezession
Die Miller-Klassifikation ist das klassische Instrument zur Einschätzung der Deckungsfähigkeit einer Gingivarezession.
- TherapieBindegewebstransplantat
Das subepitheliale Bindegewebstransplantat gilt als Goldstandard zur chirurgischen Abdeckung von Miller-Klasse-I- und -II-Defekten.
- TherapieFreies Schleimhauttransplantat
Findet vor allem Anwendung, wenn primär eine Verbreiterung der Keratinisierten Gingiva ohne zwingende Anspruch auf vollständige Wurzeldeckung angestrebt wird.
- VoraussetzungKlinischer Attachmentverlust
Das Ausmaß des interdentalen Attachmentverlusts entscheidet maßgeblich über die Zuordnung zu den Miller-Klassen III oder IV.
Befunderhebung, Indizes und Stadien-/Gradeinteilung.