ZahnLexikon
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Parodontologie
geprüft
Parodontale Diagnostik und Klassifikation

Gingivitis

Synonyme: Zahnfleischentzündung

Definition

Die Gingivitis ist eine plaqueinduzierte, entzündliche Veränderung der marginalen Gingiva ohne Verlust des parodontalen Attachements. Sie stellt die Vorstufe der Parodontitis dar, ist jedoch im Gegensatz zu dieser vollständig reversibel. Klinische Hauptmerkmale sind Rötung, Schwellung und Blutung auf Sondierung.

Prüfungsfokus
  • Eine Gingivitis ist per Definition eine vollständig reversible Entzündung ohne Verlust des parodontalen Attachements oder Alveolarknochens.
  • Nach der AAP/EFP-Klassifikation von 2018 liegt eine Gingivitis vor, wenn an ≥ 10 % der Messstellen ein Bleeding on Probing (BOP) positiv ist.
  • Histopathologisch dominiert in der etablierten Läsion (Gingivitis) ein Infiltrat aus Plasmazellen und B-Lymphozyten im bindegewebigen Stroma.
  • Systemische Modifikatoren wie Schwangerschaftshormone oder Medikamente (z. B. Nifedipin, Cyclosporin A) können die Entzündungsreaktion erheblich verstärken.
  • Bei Rauchern ist das Leitsymptom der Gingivitis (BOP) durch eine lokale Vasokonstriktion häufig klinisch maskiert.
Zahlen & Werte
BOP-Schwellenwert für klinische Gingivitis
≥ 10 % der Messstellen
BOP-Anteil bei lokalisierter Gingivitis
10 % bis 30 % der Messstellen
BOP-Anteil bei generalisierter Gingivitis
> 30 % der Messstellen
Standardkonzentration Chlorhexidindiglukonat-Mundspülung
0,2 %
Klinische Relevanz

Die Diagnose erfolgt klinisch durch Erhebung des Bleeding on Probing (BOP) sowie von Plaque-Indizes. Die Behandlung umfasst die professionelle mechanische Plaqueentfernung sowie die Optimierung der häuslichen Mundhygiene.

Abgrenzung
  • Parodontitis

    Im Gegensatz zur Gingivitis zeigt die Parodontitis einen klinischen Attachmentverlust und röntgenologischen Alveolarknochenabbau.

  • Pseudotasche

    Eine Pseudotasche entsteht durch ödematöse oder hyperplastische Vergrößerung der Gingiva ohne Apikalverlagerung des junctionalen Epithels.

  • Nekrotisierende Ulzerierende Gingivitis

    Die NUG unterscheidet sich durch Ulzerationen, geköpfte Papillen, starke Schmerzen und Pseudomembranen von der gewöhnlichen Gingivitis.

Typische Fallstricke
  • Verwechslung einer Pseudotasche (Sondierungstiefenerhöhung durch Gewebeödem ohne Attachementverlust) mit einer echten parodontalen Tasche.
  • Fehlannahme, dass das Fehlen von Zahnfleischbluten bei Stärkstrauchern automatisch Entzündungsfreiheit bedeutet.
  • Verwechslung einer plaqueinduzierten Gingivitis mit einer nekrotisierenden Gingivitis (NUG), welche durch schmerzhafte Papillennekrosen und Foetor ex ore gekennzeichnet ist.
Merksatz

Gingivitis blutet und schwillt, doch der Knochen weicht noch nicht.

Bilder & Videos

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Zusammenhänge
Teil von: Parodontale Diagnostik und Klassifikation

Befunderhebung, Indizes und Stadien-/Gradeinteilung.