Steroide
Synonyme: Kortikosteroide · Glukokortikoide
Steroide sind eine Klasse von Lipiden mit einem charakteristischen Cyclopentanoperhydrophenanthren-Grundgerüst. In der Pharmakologie beziehen sie sich meist auf synthetische oder körpereigene Glukokortikoide und Mineralokortikoide. Sie wirken primär antiphlogistisch, immunsuppressiv und antiexsudativ durch die Inhibition der Phospholipase A2.
- Glukokortikoide hemmen die Phospholipase A2 über die Induktion von Lipocortin (Annexin A1) und blockieren somit die Synthese aller Arachidonsäuremetaboliten.
- In der Oralchirurgie wird Dexamethason perioperativ zur Prophylaxe von Post-Osteotomie-Ödemen und Trismus eingesetzt.
- Eine hochdosierte Einmalgabe oder Kurzzeittherapie führt i. d. R. nicht zu einer Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse.
- Bei Patienten mit Diabetes mellitus können systemische Steroide akute Hyperglykämien auslösen und erfordern eine engmaschige Blutzuckerkontrolle.
- Topische Kortikosteroide kommen bei Autoimmun- und Entzündungserkrankungen der Mundschleimhaut wie dem oralen Lichen ruber zum Einsatz.
- Glukokortikoide Wirkstärke Dexamethason (relativ zu Hydrocortison)
- 30
- Präoperative Einzeldosis Dexamethason (Oralchirurgie)
- 4-8 mg
- Cushing-Schwelle für Prednisolon-Äquivalent
- 7,5 mg/Tag
In der Zahnmedizin werden Glukokortikoide wie Dexamethason präoperativ oder postoperativ zur Prävention ausgeprägter Weichteilödeme und Trismus nach chirurgischen Eingriffen (z. B. Osteotomie von Weisheitszähnen) eingesetzt. Wegen des Risikos für Wundheilungsstörungen, Superinfektionen und Ulzerationen ist eine strenge Indikationsstellung erforderlich. Bei Diabetikern muss das Risiko postoperativer Hyperglykämien beachtet werden.
- NSAR
NSAR hemmen erst nachgeschaltet die Cyclooxygenasen (COX-1/COX-2), während Steroide bereits die Phospholipase A2 hemmen und dadurch auch Prostaglandine und Leukotriene reduzieren.
- Corticosteroide
Corticosteroide sind die spezifische Untergruppe der in der Nebennierenrinde gebildeten Steroidhormone, während Steroide die gesamte chemische Lipidschicht-Klasse beschreiben.
- Anwendung von Glukokortikoiden bei akuten, unbehandelten bakteriellen Abszessen ohne antibiotischen Schutz, was zu einer schnellen Infektausbreitung führen kann.
- Fälschliches Annehmen einer Notwendigkeit des Ausschleichens bei einer einmaligen präoperativen Gabe von Dexamethason.
- Vernachlässigung des erhöhten Kiefernekrose-Risikos bei Kombination von Steroid-Langzeittherapie mit Antiresorptiva.
Steroide hemmen Entzündung und Ödem, senken aber die Immunabwehr extrem.
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- VerwandtCorticosteroide
Dexamethason ist ein hochpotentes synthetisches Glukokortikoid ohne nennenswerte mineralokortikoide Restwirkung, das präoperativ zur Ödemprotektion genutzt wird.
- AbgrenzungNSAR
Während NSAR lediglich die Cyclooxygenase hemmen, greifen Steroide weiter oben in der Arachidonsäurekaskade an und hemmen zusätzlich Lipoxygenasen.
- TherapieOsteotomie
Vor chirurgischen Eingriffen wie der Weisheitszahn-Osteotomie vermindern Steroide die postoperative Entzündungsreaktion, Schwellung und Trismus.
- FolgeMedikamentenassoziierte Kiefernekrose
Eine Begleittherapie mit systemischen Corticosteroiden gilt als wesentlicher Kofaktor für das Entstehen von Kiefernekrosen unter Antiresorptiva.
NSAR, Paracetamol und Opioide in der Zahnmedizin.