ZahnLexikon
← Zurück zum Lexikon
Oralchirurgie
geprüft
Implantologische Chirurgie

Alveolarkammaugmentation

Synonyme: Knochenaufbau · Alveolarfortsatzaugmentation

Definition

Die Alveolarkammaugmentation bezeichnet den chirurgischen Wiederaufbau eines atrophiierten oder defekten Alveolarfortsatzes. Ziel ist die Wiederherstellung des vertikalen und/oder horizontalen Knochenangebots für eine spätere implantologische oder prothetische Versorgung. Es kommen autologe, allogene, xenogene oder synthetische Materialien sowie Rekonstruktionstechniken zum Einsatz.

Prüfungsfokus
  • Die speicheldichte und spannungsfreie Wunddeckung mittels Periostschlitzung ist die entscheidende Voraussetzung für den Erfolg jeder Alveolarkammaugmentation.
  • Autologer Knochen gilt aufgrund seiner osteogenen, osteoinduktiven und osteokonduktiven Eigenschaften weiterhin als Goldstandard.
  • Bei der Gesteuerten Knochenregeneration (GBR) verhindert eine Barrieremembran das schnelle Einwachsen von Bindegewebe in den Defekt.
  • Eine simultane Augmentation und Implantation ist nur bei ausreichender primärer Implantatstabilität indiziert.
  • Bei zweizeitigem Vorgehen beträgt die Einheilzeit vor Implantatinsertion in der Regel 4 bis 6 Monate.
Zahlen & Werte
Erforderliche Mindestbreite des Alveolarkamms für Standardimplantate
6 mm
Konsolidierungszeit autologer Knochenblöcke vor Implantation
4-6 Monate
Sicherheitsabstand zum Nervus alveolaris inferior
2 mm
Klinische Relevanz

Das Verfahren kommt vor oder während der Implantation zur Anwendung, wenn das knöcherne Lager für eine primärstabile und prothetisch orientierte Implantatposition unzureichend ist. Je nach Defektgröße werden autologe Knochenblöcke, Knochenersatzmaterialien oder gesteuerte Knochenregeneration (GBR) mit Membranen genutzt. Eine spannungsfreie Wunddeckung ist essenziell für den Einheiluungserfolg.

Abgrenzung
  • Sinuslift

    Der Sinuslift erhöht spezifisch das vertikale Knochenangebot in der atrophen Oberkieferseitenzahnregion durch Anhebung der Sinusmembran, wohingegen die Alveolarkammaugmentation Defekte direkt am Alveolarfortsatz ausgleicht.

  • Parodontale Regeneration

    Die parodontale Regeneration zielt auf den Wiederaufbau des Verankerungsapparats an parodontal geschädigten Zähnen ab, während die Alveolarkammaugmentation Knochenvolumen für Implantate oder Prothesen aufbaut.

Typische Fallstricke
  • Wunddehiszenz durch zu hohe Gewebespannung führt zum Infektrisiko und Verlust des aufgebauten Augmentats.
  • Fehleinschätzung der Membraneigenschaften: Nicht-resorbierbare PTFE-Membranen erfordern zwingend einen zweizeitigen Eingriff zur Membranentfernung.
Merksatz

Erst das Fundament aufbauen, dann das Implantat setzen.

Bilder & Videos

Medien werden gesucht …

Zusammenhänge
Teil von: Implantologische Chirurgie

Implantation, Augmentation und Knochenmanagement.