Periimplantitis
Synonyme: Periimplantäre Entzündung
Die Periimplantitis ist eine plaqueinduzierte, progressive Entzündung des implantatumgebenden Gewebes mit irreversiblem Verlust des osseointegrierten Stützknochens. Sie stellt das implantologische Äquivalent zur Parodontitis am natürlichen Zahn dar.
- Die Periimplantitis unterscheidet sich von der periimplantären Mukositis durch das Vorhandensein eines radiologisch nachweisbaren, fortschreitenden Knochenabbaus.
- Leitsymptome sind Bleeding on Probing (BoP), Suppuration (Pusexsudation), vergrößerte Sondierungstiefen und röntgenologischer Knochenverlust.
- Im Gegensatz zur Parodontitis fehlt dem Implantat das Desmodont, was zu einer schnelleren und kranial-kaudal ungerichteten Knochendestruktion führt.
- Iatrogene Risikofaktoren umfassen Zementremanenzen (Zementitis), unzureichende Passung der Suprakonstruktion und mangelhafte Plaque-Kontrollierbarkeit.
- Die Therapie erfordert primär die vollständige mechanische und chemische Biofilmentfernung von der rauen Implantatoberfläche.
- Pathologischer Knochenabbau nach dem 1. Jahr
- > 0,2 mm pro Jahr
- Pathologische Sondierungstiefe
- >= 5 mm mit BoP und Knochenverlust
- Prävalenz auf Patientenebene
- ca. 10–20 %
Therapeutisch kommen nach mechanischer Dekontamination antiseptische, resektive oder regenerative chirurgische Verfahren zum Einsatz. Das primäre Ziel ist die vollständige Entfernung des bakteriellen Biofilms von der rauen Implantatoberfläche.
- Periimplantäre Mukositis
Beschränkt sich rein auf die weichgewebige Entzündung ohne radiologisch nachweisbaren Knochenabbau über das physiologische Remodelling hinaus.
- Aseptische Implantatlockerung
Basiert auf mechanischer Überlastung oder fehlender Osseointegration ohne primär infektiös-bakterielles Geschehen.
- Retrograde Periimplantitis
Zeigt eine apikale Radioluzenz bei erhaltener marginaler Osseointegration, meist verursacht durch periapikale Läsionen des Nachbarzahns.
- Verwechslung von periimplantärer Mukositis und Periimplantitis durch Verzicht auf ein Kontrollröntgenbild zur Beurteilung des crestalen Knochenniveaus.
- Annahme, dass eine gelockerte Suprakonstruktion automatisch eine Periimplantitis bedeutet, obwohl häufig primär mechanische Ursachen wie eine Schraubenlockerung vorliegen.
- Versuch einer rein konservativen Therapie bei fortgeschrittenem Knochenabbau, da diese alleine meist unzureichend zur Dekontamination rauer Implantatoberflächen ist.
Plaque am Schaft friszt Knochenkraft.
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- VerwandtParodontitis
Eine unbehandelte Parodontitis am Restgebiss stellt einen der stärksten Risikofaktoren für das Auftreten einer Periimplantitis dar.
- TherapieGuided Bone Regeneration
Bei erhaltener defektumwallender Knochenmorphologie kann nach Biofilmentfernung eine regenerative Rekonstruktion mittels GBR erfolgen.
- DiagnostikBleeding on Probing
Sondierungsbluten ist das primäre klinische Kriterium zur Erkennung entzündlicher Gewebereaktionen um ein Dentalimplantat.
- DiagnostikOrthopantomogramm
Ermöglicht die radiologische Beurteilung des interdentalen und crestalen Knochenverlaufs im Vergleich zu Voraufnahmen.
- TherapieUnterstützende Parodontaltherapie
Ein engmaschiges präventives Nachsorgekonzept ist essenziell zur Vermeidung von Rezidiven nach erfolgreicher Periimplantitistherapie.
Implantation, Augmentation und Knochenmanagement.