Knochenersatzmaterial
Synonyme: KEM · Knochenersatzstoff · Augmentat
Knochenersatzmaterialien (KEM) sind autologe, allogene, xenogene oder synthesebasierte Werkstoffe zur Rekonstruktion und Augmentation von Knochendefekten. Sie dienen als Leitschiene für die vaskuläre und osteogene Regeneration des ortsständigen Knochens. Die Auswahl richtet sich nach Biodegradation, mechanischer Stabilität und Indikation.
- Autologer Knochen gilt als Goldstandard, da er als einziges Material gleichzeitig osteogen, osteoinduktiv und osteokonduktiv wirkt.
- Xenogenes Knochenersatzmaterial (z. B. bovinen Ursprungs) weist eine sehr geringe Biodegradation auf und dient als langzeitstabiles Gerüst.
- Phasenreines beta-Tricalciumphosphat (beta-TCP) ist ein synthetisches, vollständig resorbierbares Material mit rein osteokonduktiven Eigenschaften.
- Im Rahmen der Guided Bone Regeneration (GBR) werden Knochenersatzmaterialien zwingend mit Membranen abgedeckt, um das Einwachsen von Bindegewebe zu verhindern.
- Die Revascularisierung und knöcherne Durchbauung des KEM erfolgt stets vom ortsständigen, angefrischten Knochenbett aus.
- Konsolidierungszeit für autologe Knochentransplantate
- 3-4 Monate
- Einheilzeit für xenogene Knochenersatzmaterialien
- 6-9 Monate
- Empfohlene Partikelgröße bei Sinuslift-Augmentationen
- 1,0 - 2,0 mm
Einsatz finden KEM in der Augmentation von Alveolarkämmen, beim Sinuslift sowie bei der Auffüllung ossärer Defekte. Je nach Material erfolgt die Defektausheilung durch Osteokonduktion, Osteoinduktion oder Osteogenese. Häufig werden KEM mit resorbierbaren Membranen im Sinne der GBR (Guided Bone Regeneration) kombiniert.
- Autologer Knochen
Wird vom selben Individuum entnommen und besitzt als einziges Transplantat lebensfähige Zellen für eine direkte Osteogenese.
- Alloplastisches Ersatzmaterial
Synthetisch hergestelltes Material (z. B. Hydroxylapatit oder beta-TCP) ohne Infektionsrisiko, welches ausschließlich rein osteokonduktiv wirkt.
- Allogenes Knochenersatzmaterial
Stammt von humangeweblichen Spendern (z. B. prozessierter Spenderknochen) und vereint Osteokonduktion mit potenzieller Osteoinduktion.
- Verwechslung von Osteokonduktion (Leitschiene für einwachsenden Knochen) mit Osteoinduktion (Induktion von Stammzellen zu Osteoblasten).
- Falsche Annahme, dass xenogene KEM zügig durch körpereigenen Knochen ersetzt werden; sie bleiben oft jahrelang als inertes Füllmaterial erhalten.
- Unzureichend speicheldichter Wundverschluss führt zur Exposition des Knochenersatzmaterials mit hoher Infektions- und Verlustrate.
Autolog heilt am besten – Fremdmaterial baut ein Gerüst für Gäste.
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- TherapieGuided Bone Regeneration
Knochenersatzmaterial wird bei der GBR als Platzhalter unter einer Barriere-Membran eingebracht.
- TherapieSinuslift
Beim Sinuslift wird KEM in den aufgetrennten Raum unterhalb der angehobenen Kieferhöhlenschleimhaut eingebracht.
- VoraussetzungResorbierbare Membran
Schützt das Knochenersatzmaterial vor dem schnellen Einwandern von Bindegewebszellen.
- VerwandtSchneidersche Membran
Muss beim Sinuslift intakt angehoben werden, damit das KEM nicht in die Kieferhöhle disloziert.
Wurzelspitzenresektion, Freilegung und Plastiken.