ZahnLexikon
← Zurück zum Lexikon
Parodontologie
geprüft
Parodontale Diagnostik und Klassifikation

Taschentiefe

Synonyme: ST · Sondierungstiefe · Sondierungstiefe der Tasche

Definition

Die Taschentiefe (Sondierungstiefe, ST) ist der in Millimetern gemessene Abstand zwischen dem gingivalen Saum (Margo gingivalis) und dem Boden der Parodontaltasche bzw. des Gingivalsulkus. Sie ist ein zentraler klinischer Parameter zur Diagnostik und Verlaufsbeurteilung von Gingivitis und Parodontitis.

Prüfungsfokus
  • Die Taschentiefe unterschätzt bei vorliegenden Gingivarezessionen den tatsächlichen klinischen Attachmentverlust.
  • Entzündetes Parodontalgewebe bietet geringeren Widerstand, weshalb die Sonde den tatsächlichen anatomischen Taschenboden penetrieren kann.
  • Taschentiefen ab 4 mm mit Bleeding on Probing oder ab 5 mm stellen eine Indikation für eine subgingivale Instrumentierung dar.
  • Eine stabile Verhältnisse anzeigende Tasche nach Parodontaltherapie ist definiert als Taschentiefe ≤ 4 mm ohne Sondierungsbluten.
  • Pseudotaschen zeigen eine vergrößerte Taschentiefe durch Gewebehyperplasie ohne apikale Migration des junctionalen Epithels.
Zahlen & Werte
Standardisierte Sondierungskraft
0,25 N
Physiologische Sulkustiefe
1–3 mm
Pathologische Taschentiefe (Behandlungsbedarf)
≥ 4 mm
Anzahl standardisierter Messpunkte pro Zahn
6 Punkte
Klinische Relevanz

Die Messung der Taschentiefe erfolgt standardisiert an 4 oder 6 Messpunkten pro Zahn mittels einer kalibrierten Parodontalsonde und einer definierten Sondierungskraft (ca. 0,25 N). Sondierungstiefen ab 4 mm gelten als klinisch pathologisch und indizieren eine parodontale Behandlungsnotwendigkeit. Zusammen mit dem Sondierungsbluten (BOP) dient die ST der Verlaufskontrolle und Risiko-Evaluation im Befundblatt.

Abgrenzung
  • Klinischer Attachmentverlust

    Der klinische Attachmentverlust misst den Abstand von der Schmelz-Zement-Grenze zum Taschenboden, während die Taschentiefe vom Margo gingivalis misst.

  • Pseudotasche

    Eine Pseudotasche entsteht durch gingivale Hyperplasie ohne apikale Migration des koronalen Binde- und Epithelattachments an der Schmelz-Zement-Grenze.

Typische Fallstricke
  • Verwechslung von Taschentiefe und klinischem Attachmentverlust (CAL), da die Taschentiefe vom Gingivasaum und der CAL von der Schmelz-Zement-Grenze misst.
  • Eine Sondierungskraft über 0,25 N führt zu einer künstlichen Vertiefung des Meßwertes durch Gewebepenetration.
  • Fehlende Unterscheidung zwischen echten Parodontaltaschen und Pseudotaschen führt zu unnötiger parodontalchirurgischer Intervention.
Merksatz

Ab vier Millimeter Tiefe wird die Tasche zur Behandlungsriefe.

Bilder & Videos

Medien werden gesucht …

Zusammenhänge
Teil von: Parodontale Diagnostik und Klassifikation

Befunderhebung, Indizes und Stadien-/Gradeinteilung.