Trauma
Synonyme: Zahntrauma · Dentogingivales Trauma
Unter einem dentalen oder maxillofazialen Trauma versteht man eine mechanisch bedingte Verletzung der Zähne, des Halteapparates, des Alveolarknochens oder der orofazialen Weichgewebe. Es entsteht meist durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung im Rahmen von Sport-, Verkehrs- oder Rohheitsdelikten. Die Klassifikation erfolgt international nach den WHO-Kriterien für Zahn- und Kieferverletzungen.
- Der Tetanus-Impfstatus muss bei jedem orofazialen Trauma zwingend erfragt und in der Patientendokumentation festgehalten werden.
- Eine initiale Anästhesie der Pulpa nach einem Trauma (Pulpadestration/Schock) erfordert Verlaufskontrollen vor Einleitung einer Wurzelkanalbehandlung.
- Bei Avulsion entscheidet die Dauer der extraoralen Trockenzeit kritisch über das Überleben der desmodontalen Zellen und das Risiko einer Ankylose.
- Flexible Schienungen (z. B. TTS-Schiene) sind starren Systemen vorzuziehen, um eine funktionelle Regeneration des Desmodonts zu fördern.
- Zur Abklärung von Begleitfrakturen des Alveolarknochens oder des Unterkiefers sind dreidimensionale Aufnahmen wie die DVT oft indiziert.
- Maximal tolerierte extraorale Trockenzeit bei Avulsion
- 20 Minuten
- Tragedauer einer flexiblen Schiene bei unkomplizierter Luxation
- 2 Wochen
- Tragedauer einer Schiene bei Alveolarfortsatz- oder Wurzel querfraktur
- 4 Wochen
- Lagerungsdauer in Zahnrettungsbox (Nährmedium)
- bis zu 24 Stunden
Die Primärdiagnostik umfasst neben der klinischen Untersuchung (Vitalität, Lockerung, Perkussion) die Anfertigung angepasster Röntgenaufnahmen (Zahnfilm, OPG, DVT). Die Therapie reicht von der Schienung traumatisierter Zähne über die Reposition und Fixation von Frakturen bis hin zur endodontischen Wundversorgung. Regelmäßige Nachkontrollen sind obligat, um Spätkomplikationen wie Ankylosen oder externe Wurzelresorptionen frühzeitig zu erkennen.
- Barotrauma
Druckunterschiedsbedingte Schmerzen oder Gewebeschädigungen ohne direkte mechanische Gewalteinwirkung von außen.
- Iatrogene Läsion
Unbeabsichtigte Gewebeschädigung im Rahmen zahnärztlicher Maßnahmen anstelle eines externen Unfalltraumas.
- Voreilige Einleitung einer Pulpektomie aufgrund einer falsch-negativen Sensibilitätsprüfung unmittelbar nach dem Traumaereignis.
- Verwendung einer starren Schiene über einen zu langen Zeitraum, was das Risiko einer diffusen Ankylose und Ersatzresorption drastisch erhöht.
- Reinigung eines avulsierten Zahnes durch mechanisches Schrubben der Wurzeloberfläche, wodurch das desmodontale Gewebe zerstört wird.
Beim Trauma gilt: Sofort sichern, exakt reponieren, flexibel schienen.
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- DiagnostikSensibilitätsprüfung
Die Sensibilitätsprüfung ist ein unverzichtbares Instrument zur Befunderhebung und Verlaufskontrolle der pulpalen Vitalität nach Traumatagewinnung.
- DiagnostikDigitale Volumentomographie
Die DVT ermöglicht die exakte dreidimensionale Darstellung von Wurzelfrakturen und knöchernen Ausprengungen des Alveolarfortsatzes.
- FolgeAnkylose
Eine Ankylose entsteht häufig als Spätfolge massiver desmodontaler Traumen durch direkte knöcherne Überbrückung zwischen Alveole und Zahnwurzel.
- TherapieApexifikation
Bei trauma- und nekrosebedingtem Wachstumsstopp an nicht ausgewachsenen Zahnwurzeln dient die Apexifikation der Induktion eines apikalen Hartgewebsverschlusses.
Wurzelspitzenresektion, Freilegung und Plastiken.