ZahnLexikon
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Oralchirurgie
geprüft
Dentoalveoläre Chirurgie

Distraction

Synonyme: Kallusdistraktion · Distraktionsosteogenese

Definition

Die Kallusdistraktion (Distraction) ist ein osteotomes Verfahren zur Neugenerierung von Knochengewebe und überliegendem Weichgewebe durch kontrollierte, langsame Trennung von Knochensegmenten nach einer Osteotomie. Durch kontinuierlichen Zug auf den sich bildenden Bindegewebskallus wird die körpereigene Knochenneubildung (Osteogenese) angeregt. Das Verfahren ermöglicht den Aufbau erheblicher Knochendefizite ohne die Notwendigkeit von autologen Knochentransplantaten.

Prüfungsfokus
  • Die Kallusdistraktion nutzt das Prinzip der Histogenese durch kontinuierliche Zugspannung auf ein osteotomiertes Knochensegment.
  • Nach der Latenzphase erfolgt die Distraktionsphase typischerweise mit einer Rate von 1 mm pro Tag, aufgeteilt auf zwei bis vier Einzelschritte.
  • In der anschließenden Konsolidierungsphase mineralisiert das regenerierte Gewebe vollständig zu strukturiertem Knochen.
  • Der wesentliche Vorteil gegenüber Augmentaten liegt im simultanen Gewinn von Knochen und Weichgewebe.
  • Eine zu schnelle Distraktion führt zur Pseudoarthrose, während eine zu langsame Distraktion zur vorzeitigen Konsolidierung führt.
Zahlen & Werte
Latenzphase
5–7 Tage
Distraktionsrate
1,0 mm/Tag
Konsolidierungszeitraum
8–12 Wochen
Klinische Relevanz

Indikationen sind ausgeprägte Kieferatrophien, kongenitale Fehlbildungen oder ausgedehnte Knochendefekte nach Trauma oder Tumorresektion. Nach der Osteotomie wird der Distraktor fixiert und nach einer Latenzphase von ca. 5–7 Tagen täglich um etwa 1 mm aktiviert (Distraktionsphase). Nach Erreichen des Zielvolumens schließt sich eine mehrmonatige Konsolidierungsphase zur Ausreifung des neugebildeten Knochens an.

Abgrenzung
  • Guided Bone Regeneration

    Bei der GBR wird der Defekt mit Ersatzmaterialien und Membranen aufgebaut, während die Distraktion körpereigenen Knochen durch kontinuierlichen Zug generiert.

  • Autologe Knochentransplantation

    Die autologe Transposition benötigt ein primäres Spenderareal zur Knochenentnahme, wohingegen die Distraktion keinen Entnahmeeingriff erfordert.

Typische Fallstricke
  • Verwechslung von Latenz- und Konsolidierungsphase; vorzeitige Aktivierung stört die primäre Wundheilung.
  • Zu rasche Distraktion verhindert die Osteogenese und führt zur reinen Bindegewebseinspritzung.
Merksatz

Trennen, dehnen, warten – neuen Knochen starten.

Bilder & Videos

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Zusammenhänge
Teil von: Dentoalveoläre Chirurgie

Wurzelspitzenresektion, Freilegung und Plastiken.