Lingualnerv
Synonyme: Nervus lingualis · Zungennerv
Der Nervus lingualis ist ein sensibler Ast des Nervus mandibularis (V3 des N. trigeminus). Er innerviert sensibel die vorderen zwei Drittel der Zunge, den Mundboden und die linguale Gingiva der Mandibel. Zudem führt er sensorische Geschmacksfasern aus der Chorda tympani mit sich.
- Der Nervus lingualis verläuft medial des Unterkieferastes im Spatium pterygomandibulare nahe am Periost im Bereich der Weisheitszahnregion.
- Neben der allgemeinen sensiblen Innervation der vorderen zwei Drittel der Zunge führt er präganglionäre parasympathische und geschmackliche Fasern aus der Chorda tympani.
- Unvorsichtige linguale Schnittführungen und Knochenabtragungen im Unterkieferseitenzahnbereich bergen ein hohes Risiko für iatrogene Nervläsionen.
- Die neurophysiologische Diagnostik einer Lingualisschädigung erfolgt u. a. durch Testung der Zwei-Punkt-Diskrimination und Pin-Prick-Untersuchung.
- Ein Abdrängen des Lappenbereichs lingual erfordert strikten subperiostalen Instrumentenkontakt, um den Nerv nicht zu quetschen oder zu durchtrennen.
- Inzidenz temporärer Läsionen nach UK-Molar-Osteotomie
- 0,5 - 5 %
- Inzidenz permanenter Läsionen nach UK-Molar-Osteotomie
- 0,1 - 0,5 %
- Durchschnittlicher Abstand zur lingualen Kompakta
- 0,5 - 1,5 mm
- Verlauf oberhalb/auf Höhe des Alveolarkamms
- ca. 15 - 20 %
Aufgrund seines anatomischen Verlaufs besteht ein hohes Verletzungsrisiko bei Weisheitszahnextraktionen (v. a. Unterkiefer), Osteotomien und Infiltrations-/Leitungsanästhesien. Eine Läsion führt zu Parästhesien, Hypästhesien oder Dysästhesien der ipsilateralen Zungenhälfte. Schonendes Präparieren und linguale Schnittführungen verhindern iatrogene Schäden.
- Nervus alveolaris inferior
Der N. alveolaris inferior verläuft intraossär im Mandibularkanal und innerviert die Unterkieferzähne sowie die Unterlippe, während der N. lingualis im Weichgewebe verläuft und die Zunge versorgt.
- Nervus glossopharyngeus
Der IX. Hirnnerv innerviert das hintere Zungendrittel sensibel und geschmacklich, wohingegen der N. lingualis für die vorderen zwei Drittel zuständig ist.
- Annahme eines stets geschützten Verlaufs unterhalb der Crista alveolaris: In bis zu 20 % der Fälle verläuft der Nerv anatomisch oberhalb des Alveolarkamms im Weichgewebe.
- Einsatz von rotierenden Instrumenten nach lingual ohne adäquaten Schutz durch ein breitflächiges Raspatorium direkt am Knochen.
- Verwechslung von rein somatosensibler Hypästhesie mit einer kombinierten Läsion unter Einbeziehung des Geschmackssinns (Chorda tympani).
Der Lingualnerv zieht nah am Zahn – lingual zu hebeln ist Gefahr!
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- VerwandtNervus alveolaris inferior
Beide Nerven entspringen dem hinteren Hauptstamm des N. mandibularis (V3) und werden häufig im Rahmen derselben Leitungsanästhesie blockiert.
- FolgeOsteotomie
Bei der operativen Entfernung von Unterkieferweisheitszähnen kann es bei der Knochenabtragung nach lingual zur iatrogenen Schädigung kommen.
- DiagnostikSensibilitätsprüfung
Die Sensibilitätsprüfung dient der Objektivierung und Verlaufskontrolle einer iatrogenen Schädigung des N. lingualis.
- VoraussetzungLokalanästhesie
Eine fehlerhafte Nadelpositionierung bei der Leitungsanästhesie im Unterkiefer kann zu direkten Traumen des Nervs führen.
Wurzelspitzenresektion, Freilegung und Plastiken.