ZahnLexikon
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Oralchirurgie
geprüft
Dentoalveoläre Chirurgie

Wundheilung

Synonyme: Geweberegeneration

Definition

Die oralchirurgische Wundheilung beschreibt die biologischen Prozesse zur Regeneration oder Reparatur geschädigten oralen Gewebes nach chirurgischen Eingriffen oder Traumata. Sie läuft klassisch in drei phasenartigen Schritten ab: der exsudativen/entzündlichen Phase, der proliferativen Phase und der Regenerations- bzw. Reparaturphase. Im Kieferknochen schließt dies eine komplexe osteogene Gewebeneubildung ein.

Prüfungsfokus
  • Die exsudative Phase (Tag 1 bis 3) dient der Blutstillung und Entzündungsauslösung über die Bildung des fibrinreichen Blutkoagulums.
  • In der proliferativen Phase (Tag 4 bis 14) bilden Fibroblasten und einsprossende Kapillaren zellreiches Granulationsgewebe.
  • Die Regenerations- und Remodellierungsphase beinhaltet den Ersatz von Kollagen Typ III durch Kollagen Typ I sowie die epitheliale Überhäutung.
  • Die knöcherne Wundheilung verläuft über die Bildung von Geflechtknochen, der im Verlauf von Monaten in lamellären Knochen umgebaut wird.
  • Ein speicheldichter und spannungsfreier Wundverschluss ist Voraussetzung für eine komplikationslose Primärheilung (Sanatio per primam intentionem).
Zahlen & Werte
Dauer der exsudativen Phase
1 bis 3 Tage
Dauer der Proliferationsphase
4 bis 14 Tage
Epithelisierung der Alveolenoberfläche
ca. 10 bis 14 Tage
Umbau von Geflechtknochen in Lamellenknochen
3 bis 6 Monate
Klinische Relevanz

Eine gestörte Wundheilung kann zu Infektionen, Wunddehiszenzen oder Wundheilungsstörungen wie der Alveolitis sicca führen. Systemische Faktoren wie Diabetes mellitus, Rauchen oder Medikation (z. B. Bisphosphonate) müssen präoperativ evaluiert werden. Durch atraumatische Präparation, scharfe Wundränder und primären Speicheldichten Wundverschluss wird die komplikationslose Ausheilung gefördert.

Abgrenzung
  • Primärheilung

    Erfolgt rasch und narbenarm bei dicht adaptierten, gut durchbluteten Wundrändern ohne Gewebeverlust.

  • Sekundärheilung

    Läuft verzögert über die Ausfüllung von Gewebedefekten mittels Granulationsgewebe und anschließender Epithelüberhäutung ab.

  • Alveolitis sicca

    Stellt eine spezifische Wundheilungsstörung nach Zahnextraktion dar, die durch den Verlust des Blutkoagulums ohne eitrige Infektion charakterisiert ist.

Typische Fallstricke
  • Verwechslung einer septischen Wundinfektion (Alveolitis purulenta) mit einer Alveolitis sicca, bei der das Koagulum avaskulär zerfällt.
  • Fälschliches Anlegen von Nähten unter hoher Gewebespannung, was zu Ischämie, Nahtausriss und Wunddehiszenz führt.
  • Gleichsetzen von primärer Knochenheilung (spaltfrei unter starrer Osteosynthese ohne Kallus) mit sekundärer Knochenheilung (über Zwischengewebe und Kallusbildung).
Merksatz

Blutung stopt, Gewebe wächst, Knochen reift – Wunde heilt.

Bilder & Videos

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Zusammenhänge
Teil von: Dentoalveoläre Chirurgie

Wurzelspitzenresektion, Freilegung und Plastiken.